Die dreizehnte Geschichte. Roman (Diane Setterfield)

24. Januar 2008, 20:34:20

Die dreizehnte Geschichte ist der Debütroman der Romanistin Diane Setterfield. 2006 unter dem Titel The Thirteenth Tale erschienen, stieg das Buch in den USA direkt auf Platz 1 der New York Times-Bestsellerliste.

Margaret Lea arbeitet im Antiquariat ihres Vaters und schreibt gelegentlich Biografien über wenig bekannte Personen. Sie ist eine passionierte Leserin, die täglich Bücher verschlingt. Bücher aus dem 19. Jahrhundert haben es ihr besonders angetan, Gegenwartsliteratur liest sie dagegen eigentlich nicht. Eines Tages erreicht sie ein Brief von der berühmten und erfolgreichen Schriftstellerin Vida Winter. Diese fordert sie auf, sie zu besuchen und ihre Biografie zu schreiben. Warum wendet sich die Bestseller-Autorin ausgerechnet an sie?

Eigentlich hat Margaret gar keine Lust ihre gewohnte Umgebung zu verlassen, um die Lebensgeschichte von Vida Winter aufzuzeichnen. Sage und schreibe zweiundzwanzig Biografen haben dies schon versucht und sind gescheitert, da die Autorin immer wieder neue Geschichten über ihre Person und ihre Herkunft erzählt. Warum sollte sie also ausgerechnet ihr die Wahrheit erzählen? Doch spätestens als Margaret rauschhaft ein paar der Bücher von Vida Winter liest, ist ihre Neugier geweckt und sie lässt sich darauf ein. Wer also steckt hinter der Pseudonym Vida Winter?

Der Roman entfaltet sich in zwei miteinander verwobenen Erzählsträngen. In dem einen erzählt Vida Winter die Geschichte ihrer Familie, der Familie Angelfield, bis zu der Nacht als der Familiensitz niederbrannte. Todkrank wie sie ist, will sie endlich die Wahrheit preisgeben, will erzählen wie das war mit den Zwilligen Adeline und Emmeline und was in jener Nacht geschah. Auf der anderen Erzählebene erzählt Margaret Lea. Als Leser nimmt man daran teil, wie sie die Erzählungen der gefeierten Autorin aufnimmt und dem Sog teils erliegt, andererseits aber spürt, dass noch mehr dahinter steckt und eigene Recherchen aufnimmt. Die enge Beziehung zwischen den Geschwistern der verschiedenen Generationen rührt auch an Margarets eigenes Zwillings-Trauma. Spannung entsteht nicht nur daraus, dass die dunklen Geheimnisse nur allmählich enthüllt werden, sondern auch in der geschickten Verknüpfung von Vergangenheit und erzählter Gegenwart.

Atmosphärisch dicht und detailreich erzählt ist Die dreizehnte Geschichte auch eine Hommage an englische Romane des 19. Jahrhunderts und spielt mit ihren typischen Motiven: verfallene Ruinen, dunkle Familiengeheimnisse und rätselhafte Spukerscheinungen…

Diane Setterfield: Die dreizehnte Geschichte. Roman. Aus dem Englischen von Anke und Eberhard Kreutzer. Karl Blessing Verlag 2007

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Lesen in Deutschland: Leseförderung und Lesekultur im Web

21. Januar 2008, 18:36:03

Lesen in Deutschland ist eine Initiative von Bund und Ländern zur außerschulischen Leseförderung. Auf der Website finden Interessierte zahlreiche Informationen und Hinweise zu Themen der Leseforschung, Lesekultur und Leseförderung. Ergänzt wird das Angebot  unter anderem durch Veranstaltungstipps und Termine von Kinder- und Jugendbuchmessen. Das Angebot ist nicht nur für Pädagogen und Bibliothekare gedacht, sondern richtet sich ausdrücklich auch an die Familien, d.h. Eltern und Großeltern von Kindern.

Neuerscheinung: “Eisflamme” – der Nachfolgeband von “Feuerträne”

21. Januar 2008, 17:58:17

Eine gute Nachricht für Leser, die Freude am Fantasy-Roman Feuerträne von Chris d´Lacey (Rezension hier) hatten:  mit Eisflamme ist nun der zweite Band um David Rain und die Pennykettles erschienen.

Davids Manuskript “Snigger und das Nussmonster” wird von den angeschriebenen Kinder- und Jugendbuchverlagen abgelehnt. David ist darüber sehr enttäuscht und die ganzen Drachen im Haus der Pennkettles gehen ihm inzwischen auf die Nerven - Drachen sind doch nur frei erfundene Fabelwesen! Aber dann wird er von dem angesehenen Polarforscher Dr. Bergstrom ernsthaft beauftragt der Frage nachzugehen, ob es Drachen gibt und in welcher geografischen Region man nach ihnen suchen müsste…

Soweit der kurze Vorausblick auf den Inhalt von Eisflamme – Rezension folgt! –> Rezension lesen

Loewe Verlag baut ein eigenes Taschenbuch-Programm auf

18. Januar 2008, 09:52:08

Der Loewe Verlag hat mit dem Auf- und Ausbau eines eigenen Taschenbuch-Programms begonnen. 30 Titel sollen dieses Jahr als preiswertes Taschenbuch erscheinen. Neben  Sammelbänden der beliebten Fear Street-Reihe von Robert L. Stine gehören auch ausgesuchte Einzeltitel wie das 2006 als Hardcover erschiene Kinderbuch “Verbotene Welt” von Isabel Abedi dazu. Eine Rezension dieses Buches wird hier im Literatur Blog in absehbarer Zeit erscheinen.

Rezension “Verbotene Welt” lesen

Krimi: Tod auf dem Jakobsweg (Petra Oelker)

14. Januar 2008, 09:30:41

Das erste Opfer in Petra Oelkers jüngstem Krimi findet noch vor Einsetzen der eigentlichen Handlung den Tod – irgendwo oben in den Bergen, wo der zunächst anonym bleibende Mann mittleren Alters sich nach seiner Flucht in Sicherheit glaubte. Zu Unrecht, wie er im letzten Augenblick erkennt, denn er wird einen steilen und schroffen Abhang hinunter gestoßen.

Auch seinen Tod wird Eleonore Peheim, 37 und Journalistin in Hamburg, aufklären helfen. Leo macht einen zweiwöchigen Urlaub in Spanien – eine moderne Variante der Pilgerreise auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela, zusammen mit einer Reisegesellschaft. Maßvolle Wanderetappen in südlicher Landschaft, das Gepäck vom Bus transportiert und abends ein Hotel, das hört sich verheißungsvoll an. Doch schon am ersten Wandertag stürzt Benedikt Siemsen, ein Mitglied der Gruppe, einen Abhang hinunter und liegt im Koma. Auf den ersten Blick sieht es nach einem unglücklichen Unfall aus, doch schnell hat Leo den Verdacht, dass Benedikt einem Mordversuch zum Opfer gefallen ist. Verdächtig sind zum Beispiel auch einige aus ihrer Gruppe: die Freundin des Opfers etwa und andere Mitreisende, die manchmal ohne weitere Erklärung für kurze Zeit verschwinden. Auch Inspektor Obanos , vom behandelnden Arzt auf ein paar verdächtige Hämatome hingewiesen, hat einige Zweifel daran, dass es reiner Zufall ist, wenn innerhalb so kurzer Zeit zwei Menschen am gut gesicherten Jakobsweg stürzen. Doch Leo wird noch etliche Kilometer auf der tausendjährigen Pilgerroute gehen müssen, bis sie die dunklen Geheimnisse lüften kann, die hinter den Stürzen stehen.

Der Kriminalroman ist häufig durchsetzt von Beschreibungen der Reiseroute oder historischen Hintergründen zum Jakobsweg und den Sehenswürdigkeiten am Rande des Weges. Dies “verlangsamt” die Handlung natürlich etwas, ist aber durchaus interessant und gut in die Handlung eingebunden. Ein geschicktes Mittel zur Spannungserhöhung sind die eingestreuten kurzen Kapitel aus der Sicht des Auftraggebers. Sie geben Hinweise zu seinen Motiven, geben Gesprächsfetzen mit dem beauftragten Killer wieder. Dabei wird genau so viel verraten, wie notwendig ist um die Fantasie des Lesers in verschiedene Richtungen zu entfachen, aber nicht so viel, dass man den Täter identifizieren kann. Flüssig geschrieben bietet “Tod auf dem Jakobsweg” also alles in allem kurzweilige Unterhaltung.

Petra Oelker: Tod auf dem Jakobsweg. Kriminalroman Rowohlt Taschenbuch Verlag 2007

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Wilhelm Busch – 100. Todestag

9. Januar 2008, 09:40:19

Wilhelm Busch wurde am 15.04 1832 in Wiedensahl/Hannover geboren. Er studierte zuerst Maschinenbau, dann Malerei. Berühmt wurde der humoristisch-satirische Dichter und Zeichner durch seine Bildergeschichte über die Untaten von “Max und Moritz” ( 1865), die heute als Klassiker gilt und die man durchaus als einen Vorläufer der Comics bezeichnen kann. Weitere bekannte Werke sind unter anderem “Hans Huckebein, der Unglücksrabe” (1867), “Die fromme Helene” (1872) und “Fips der Affe” (1879). Weniger bekannt ist, dass der Humorist auch Autor reiner, verinnerlichter Lyrik war. Wilhelm Busch starb am 09.01.1908 in Mechthausen/Harz.

Erzählungen von Robert Gernhardt

4. Januar 2008, 19:13:49

“Denken wir uns” ist nicht nur der Titel des letzten Erzählbandes von Robert Gernhardt, es ist auch  schlichtweg der Grundsatz fiktionaler Literatur, eine Aufforderung Fantasie und Vorstellungskraft walten zu lassen.

Nahezu alle dieser 26 Erzählungen beginnt der 2006 verstorbene Schriftsteller und Zeichner mit dieser schlichten aber wirkungsvollen Aufforderung – und mit einem deutlich spürbaren Augenzwinkern. Die Schauplätze seiner Geschichten sind in Deutschland ebenso angesiedelt, wie in der Toskana, in Indien oder auf einem Boot vor Florida. Der thematische Bogen ist weit und umfasst die Verhinderung eines Kinderfaschingsdramas im Jahre 1944, die Sprache verliebter Paare, wartende Schriftsteller, einen Seitenhieb auf eine literarischen Fernsehsendung oder eine Künstleranekdote im Stile alter Zeiten.

Die Erzählungen sind, wie man es von Robert Gernhardt gewohnt ist, humorvoll und eingängig geschrieben. Allerdings springt der Funke nicht bei allen Geschichten über.

Robert Gernhardt: Denken wir uns. Erzählungen, S. Fischer 2007

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