Rezensionen im neuen Jahr…

28. Dezember 2007, 09:23:35

Wagen wir einen kleinen Blick nach vorne. Für den Beginn des kommenden Jahres sind unter anderem Rezensionen der folgenden Bücher vorgesehen:

Frohe Weihnachten!

24. Dezember 2007, 11:17:03

Der Literatur Blog wünscht allen Leserinnen und Lesern ein frohes Fest, das eine oder andere schöne Buch als Geschenk und natürlich viel Zeit zum lesen.

Nach einer kurzen Weihnachtspause geht es hier bald wieder weiter mit neuen Rezensionen und Informationen aus der Welt der Bücher…

Thomas von Steinaecker: Wallner beginnt zu fliegen. Roman

21. Dezember 2007, 15:06:28


Thomas von Steinaeckers Debütroman war für den Deutschen Buchpreis nominiert und gewann den aspekte-Literaturpeis 2007.

Von Steinaeckers Roman ist eine Art von Familienroman, der sich aber von den gängigen Vorstellungen unterscheidet. Da ist Günter Wallner, auf den im Roman nur wenig eingegangen wird, sein Sohn Stefan der mit Ana einer Deutsch-Rumänin verheiratet ist und gemeinsam mit ihr einen Sohn hat: Costin. Costin hat ein wechselvolles Leben, beginnt mit einer Popstar-Karriere, wird zwischenzeitlich Synchronsprecher, gründet dann ein Rocklabel. Sehr spät erst erfährt er, dass er aus Popstar-Zeiten eine Tochter hat - Wendy. Erzählt wird jedoch nicht eine Familiengeschichte im Sinne einer Folge von Ereignissen die aufeinander folgen und zusammen gehören. Außerdem beginnt der Roman in unserer Zeit und endet in der Zukunft.

Im wesentlichen hat das Buch drei Teile, in denen je eine Figur im Zentrum des Textes steht. Der erste Teil handelt von Stefan Wallner, der zusammen mit seinem Freund Uli Wiget erfolgreich eine Firma führt, sich dann aber von seinen Freunden und seiner Familie entfremdet, u.a. Verfolgungswahn entwickelt und ein Doppelleben beginnt. Im zweiten Teil ist Costin die Hauptfigur, seine kurze Karriere in einer Castinggruppe und seine Versuche durch Alternativen den Abstieg zu vehindern. Costin treibt durch die Medienwelt, synchronisiert Filme, findet sich in einer Reality-Show wieder… Die Gründung eines eigenen Musiklabels scheint ihn etwas zu stabilisieren. Er erfährt, dass er eine fast volljährige Tochter hat, einst auf einer Aftershow-Party gezeugt und überrascht wie froh eine Tochter zu haben, versucht er eine Beziehung zu ihr zu entwickeln. Wendy ist die Hauptfigur der letzten Teils, anfangs noch Schülerin später promovierte Literaturwissenschaftlerin…

Sprachlich ist “Wallner beginnt zu fliegen” nicht schwer zu lesen. Die Sätze sind nicht sehr kompliziert, manchmal lakonisch. Schnell fällt jedoch auf, dass es sich immer wieder um kurze Ausschnitte handelt, die mitunter wiederholt werden, teils in Variationen. Der Text wirkt manchmal wie ein Montage, eine Collage aus verschiedenen Einstellungen und mit großen Lücken. Man hat den Eindruck von Puzzleteilen, die man als Leser zu einem Bild zusammensetzen  muss. Im letzten Teil des Buches stellt sich  heraus: es ist Wendy, die versucht sich aus dem Nachlass ihres Vaters ein Bild von ihrer Familie zu machen. Gegenstände, Fotos, Filmaufnahmen und Zeitungsausschnitte etc. versucht sie durch ihre Fantasie mit Leben zu füllen, frei nach der zu ihrer Zeit in der akademischen Welt wieder aufkommenden These, Geschichtsschreibung bediene sich “fiktionaler Plot-Muster”. Das Buch das man liest, so wird hier suggeriert, ist von Wendy geschrieben. Sie versucht sich einer möglichen Familiengeschichte anzunähern, in dem sie mögliche Ereignisabläufe und Beziehungen ausprobiert, da sie das wirkliche Geschehen nicht rekonstruieren kann.

Fazit: “Wallner beginnt zu fliegen” ist ein sehr interessantes Buch, durchkomponiert und mit einem ganz eigenen Reiz. Anfangs ist es allerdings aufgrund seiner Konzeption etwas anstrengend zu lesen. Lesern, die einen Roman suchen, in dessen Geschichte sie sich hinein fallen lassen können, um sich vom Handlungsstrom tragen zu lassen, mag man es allerdings nur eingeschränkt empfehlen. 

Thomas von Steinaecker: Wallner beginnt zu fliegen, Roman. Frankfurter Verlagsanstalt 2007

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“Feuerträne”: Drachenfantasy mal anders

15. Dezember 2007, 20:24:39

David, angehender Geografiestudent, sucht dringend nach einer neuen Bleibe. Mrs. Pennykettle sucht einen Mieter - er muss allerdings Kinder und Katzen mögen. Und Drachen, so steht es in der Anzeige. Denn Mrs.  Pennykettle ist Kunsthandwerkerin und stellt Drachen aus Ton her. Das ganze  Haus steht voll davon, aber warum nicht, sie sind  ja durchaus hübsch, das Zimmer ist okay und David zieht also sofort ein.  Dennoch fühlt er sich manchmal von ihnen beobachtet und auch seine Vermieterin und ihre Tochter Lucy verhalten sich in Bezug auf die Drachen mitunter etwas merkwürdig. Aber zunächst ist David abgelenkt, denn die 10-jährige Lucy hält ihn ganz schön auf Trab: immerzu erzählt sie ihm von Conker, dem Eichhörnchen das in ihrem Garten lebt und nur noch ein Auge hat. Conker ist nämlich verschwunden und Lucy will, dass David ihr hilft Conker zu finden und zu beschützen…

Liz Pennykettle töpfert David einen Drachen als Willkommensgeschenk - einzige Bedingung:  er darf den Drachen niemals zum weinen bringen, denn sonst erlischt der Lebensfunke in ihm.  Alles Quatsch, oder? David findet die Drachen wundervoll, aber dass sie lebendig sein sollen kann er sich nun wirklich nicht vorstellen. Und schon gar nicht, dass sein Drache ihm dabei helfen soll eine Eichhörnchen-Geschichte für Lucy zu schreiben…

Chris d´Lacey hat eine Fantasy-Geschichte geschrieben, die vom üblichen Schema abweicht. Trotzdem wird sie sicher vielen Fantasy-Lesern gefallen: überzeugende Charaktere, Spannung und ein geheimnisvolles Rätsel zeichnen “Feuerträne” aus.  Die Eichhörnchengeschichte verankert das Geschehen einerseits in der Realität, ermöglicht aber gleichzeitig einen anderen Blick auf die Geschehnisse der Wirklichkeit. Der Roman gewinnt dadurch an poetisch-mythischer Qualität wie sie für Fantasy nicht selbstverständlich ist.

Erwähnenswert ist auch der sensible wie glaubwürdige Umgang mit dem Thema “Tod”. Chris d´Lacey gelingt es, nichts zu beschönigen und dennoch ein versöhnliches Ende zu gestalten.

Chris d´Lacey: Feuerträne. Aus dem Englischen von Petra Koob-Pawis. Illustrationen von Nora Nowatzyk. Umschlagillustration von Helmut Dohle. Coppenrath 2007, ab 10 Jahre

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Dieter Nuhr - intelligente Komik zwischen Buchdeckeln

13. Dezember 2007, 19:35:07

Nach “Gibt es intelligentes Leben?” ist diesen Herbst ist ein weiteres Buch von Dieter Nuhr erschienen: “Wer´s glaubt, wird selig” ist der Titel. Aufhänger für die Gedanken des Kabarettisten und Komikers ist die Frage, was und warum der Mensch glaubt. Das Thema fasst er weit - gemeint sind nicht nur die diversen Religionen, sondern auch Ideologien, Aberglauben, Verschwörungstheorien, das Leben im allgemeinen und im besonderen. Frech, respektlos und geistvoll wie gewohnt nimmt sich Dieter Nuhr die Spezies Mensch vor und lässt dabei nichts und niemanden aus… Zahlreiche Fotos aus den verschiedensten Ecken der Welt sind in den Text eingestreut. Ihr Bezug zum Geschriebenen ist nicht immer sofort ersichtlich, aber da die Bildunterschrift oft für einen weiteren Lacher gut ist, stört man sich nicht daran. Wer `Philosophie´ à la Nuhr mag wird bei diesem Buch auf seine Kosten kommen, solange er sich darüber im Klaren ist, dass auch ein Buch von Nuhr niemals so gut sein kann wie Nuhr selbst.

Dieter Nuhr: Wer´s glaubt, wird selig. Rowohlt Taschenbuch Verlag 2007

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Kunst für Auge und Ohr

8. Dezember 2007, 13:36:24

Einen sehr lebendigen und facettenreichen Weg Kindern Kunst nahe zu bringen, beschreitet der Journalist Ralph Erdenberger. Im Buch sind Bilder und Objekte großformatig und mit nur wenig Begleittext abgebildet In 16 kurzen und hochwertigen Hörspielen lässt er die Kunstwerke eine Geschichte erzählen. Die Geschichten sind dabei so unterschiedlich wie ihre Objekte: mal tiefsinnig wie zu Vincent van Goghs “Die Ernte”, mal lustig wenn es beispielsweise um “Der Papageienmann” von Max Liebermann geht, springlebendig mit Franz Marcs “Pferd in der Landschaft”, rätselhaft mit René Magrittes “Der Nachtwandler”… Vielseitig sind die Hörspiele auch hinsichtlich der gesprochenen Charaktere und der Musik, die teilweise zur Unterstützung der Wirkung eingesetzt wird. Kunst für Auge und Ohr - ein äußerst ansprechender und kindgerechter Ansatz!

Buch und CD sind in Zusammenarbeit mit dem Museum Folkwang (Essen) und der Kinder-Hörfunksendung “Lilipuz” des WDR 5 entstanden.

Ralph Erdenberger: Bilder im Ohr. Von Franz Marc bis Marc Chagall. Bilder erzählen ihre Geschichten. Mit Audio-CD. Prestel 2007, ab 5 Jahre

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Bilderbuch: Das geheime Buch vom Weihnachtsmann

6. Dezember 2007, 11:33:30

Am Südpol fällt den völlig verdutzten Pinguinen an Weihnachten ein rotes Ding vor die Füße. Es ist das geheime Buch, in das der Weihnachtsmann die Wünsche der Kinder einträgt. Oh je ! Wie soll er nun den Kindern die richtigen Geschenke bringen?

Ausgiebig bestaunen die Pinguine das seltsame Buch und bauen die darin abgebildeten Spielsachen und Dinge mit viel Fantasie nach. Damit machen sie den Weihnachtsmann auf sich aufmerksam, der zum Dank mit Ihnen zusammen ein Weihnachtsfest am Südpol feiert.

Als besonderes Bonbon ist dem von der Autorin illustrierten Bilderbuch ein rotes Minibuch beigefügt -  ` Das geheime Buch vom Weihnachtsmann´ natürlich und es ist noch Platz darin, um eigene Wünsche hinein zu schreiben…   ;)

Angelika Stubner: Das geheime Buch vom Weihnachtsmann, illustriert von der Autorin. Loewe 2007,  ab 4 Jahre

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Fake Off!- Partnersuche im Internet (Roman)

5. Dezember 2007, 11:28:37

Alex ist 40 und arbeitet in der Computer-Branche. Den Mann ihres Herzens hat sie immer noch nicht gefunden. Was liegt also näher als im Internet nach einem Partner Ausschau zu halten? Einige Versuche hat sie auf Singleseiten schon unternommen und nur Enttäuschungen erlebt. Aber dann kommt sie über  ein Forum mit Roman in Kontakt.  Ist er vielleicht der Gesuchte? Der erste Eindruck von Roman - feinfühlig, intelligent, kultiviert - lässt sich nicht lange aufrecht erhalten, aber Alex will das nicht wahrnehmen. So sehr sehnt sie sich nach einem Partner, dass sie ihm noch eine Chance gibt als längst klar ist, dass er nicht der Richtige für sie ist …

Anke Behrend erzählt frisch und man hat das Gefühl, man säße mit einer Freundin zusammen, die einem ihr Herz ausschüttet. Der erste Teil des Buches konzentriert sich darauf, die scheinbaren Traumprinzen als das was sie sind zu entlarven. Mit Witz und einem Gespür für komische Szenen stellt sie sie bloß. Was anfangs noch Spaß macht, fängt dann aber irgendwann an zu nerven: pausenloses Geschimpfe und Gelästere ist nicht jedermanns Sache - meine jedenfalls nicht. Gerade noch rechtzeitig bringt die Autorin mit einer Wendung Spannung und neuen Pepp ins  Spiel, der die Lektüre wieder interessanter macht.

Anke Behrend: Fake Off! Röschen-Verlag 2007

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