Pepitschko. Das Geheimnis des Weihnachtskarpfens

30. November 2007, 19:32:29


Jahr für Jahr erzählte Großmutter Adela ihren Enkeln am Weihnachtsabend Geschichten. Alle ihre Geschichten waren schön, aber am liebsten hörten ihre Enkel die Geschichte von Pepitschko dem Weihnachtskarpfen und der Legende vom goldenen Schwein. Pepitschko, so tauften Adela und ihre Geschwister den Karpfen, den sie zusammen mit ihrem Vater an einem Heiligabend auf dem Markt gekauft hatten. Es war der letzte Fisch den der Händler noch hatte, denn kein anderer wollte ihn haben, den Karpfen mit dem roten Strich auf dem Kopf. Während der Fisch im Zuber im Waschraum schwimmt, erobert er die Herzen der Kinder… Keine Angst, Pepitschko wird am Ende nicht in der Pfanne landen, denn er ist ein besonderer Karpfen!
Die nette Erzählung für Kinder ab etwa 8 Jahren ist mit zahlreichen ansprechenden Illustrationen versehen.

Dagmar Pohland: Pepitschko. Das Geheimnis des Weihnachtskarpfens. Mit Illustrationen von Leonard Erlbruch. Coppenrath 2007

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“Heimweg” - der erste Roman von Harald Martenstein

27. November 2007, 12:09:44

Harald Martenstein ist als launiger Kolumnist der ZEIT etlichen Lesern bekannt. Sein Roman “Heimweg” stand auf der Nominierungsliste für den aspekte-Literaturpreis und wurde mit dem Corine-Debütpreis (Rolf-Heyne-Debütpreis) ausgezeichnet.

Joseph kommt aus russischer Kriegsgefangenschaft ins Nachkriegsdeutschland zurück. Es wundert ihn nicht wirklich, dass ihn seine Frau nicht am Bahnhof abholt, doch mit dem Anblick, den ihn bei der geöffneter Wohnungstür erwartet, hat er nicht gerechnet. Ein Mann öffnet ihm die Tür, die Pistole noch in der Hand und hinter ihm liegt Josephs Frau Katharina angeschossen auf dem Boden. Er entreisst dem  Mann die Pistole, versorgt seine Ehefrau, die daran anschließend versucht ihn zu verhaften zu lassen - eines ist schnell klar: Josephs Heimweg zurück in sein Leben fängt hier erst richtig an.

“Heimweg” schildert wie die beiden versuchen sich wieder aneinander zu gewöhnen und ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Joseph möchte seine Kriegserinnerungen vergessen und seine Frau wiedergewinnen, sie möchte einfach nur ihr Leben genießen und weiter  als “Schöntänzerin” in der Bar ihrer Schwester arbeiten.

Martenstein lässt Josephs Enkel erzählen, ein altklug wirkendes ganz besonderes Kind, das die Erinnerung an Joseph wachhalten will. Der Autor spielt mit dieser Rolle, lässt den Enkel das Erzählen reflektieren. Das mag wie ein Selbstzweck wirken, trifft jedoch zumindest nicht immer zu. So sagt das Erzähler-Kind, Bescheibungen seien seine Sache nicht, die fände es langweilig. Aber um sich zu erholen, seien Beschreibung gut geeignet. Dann fängt es ”seelenruhig” an, Josephs Bekleidung und Ausrüstung im Krieg zu schildern und lässt die Schilderung in der Erzählung münden, wie er einen Soldaten exekutiert und einen 14-jährigen Jungen erschießt. Der Kontrast lässt das Grauenvolle also umso stärker hervorspringen.

Harald Martensteins Roman erzählt von Verlierern im Wirtschaftswunderland, von Gezeichneten, die an ihren seelischen Wunden leiden und sich deshalb ihre eigene Realität erschaffen. Dabei schildert er auch das Komische im Traurigen, wechselt zwischen Groteske, Ironie und der Schilderung des Alltags wie des Grauens. Ein beachtenswerter Erstling!

Harald Martenstein: Heimweg, Roman. C. Bertelsmann Verlag 2007.

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“Ein Geschenk vom Nikolaus”…

23. November 2007, 22:34:59

so lautet der Titel eines Bilderbuches, das schon etwas älter ist, ich aber dennoch rundweg empfehlenswert finde.

Irgendwo in einem tief verschneiten Dorf warten viele Kinder sehnsüchtig auf den Nikolaus. Viele Tage hat es schon geschneit und die Menschen verlassen ihre Häuser nicht mehr. Ob der Nikolaus dann dieses Jahr überhaupt kommen wird, den weiten Weg durch diese ganzen Schneemassen? Die Sehnsucht der Kinder dringt bis zu ihm  - natürlich wird er sie nicht im Stich lassen! Doch er beschließt den schon gepackten Sack mit Leckereien und Spielzeug wieder auszupacken. Nein, was die Dorfbewohner dieses Jahr brauchen ist etwas völlig anderes… Das Geschenk, das der Nikolaus mitten auf dem Dorfplatz abgestellt, führt die Dorfgemeinschaft zusammen und beschert ihr einen wunderschönen gemeinsamen Nikolaus-Abend.

Die nette Geschichte ist eingebettet in überaus schöne und stimmungsvolle Bilder - mein erster Buchtipp zur Einstimmung der Kleinen auf die Adventszeit!

Dorothea Lachner: Ein Geschenk vom Nikolaus, Eine Geschichte von Dorothea Lachner mit Bildern von Maja Dusikova. Nord Süd Verlag 1994.

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Thriller: Nachtflug (Nelson DeMille)

19. November 2007, 13:15:47


“Night Fall” ist der Titel der Originalausgabe, die 2005 als Hardcover im Ullstein Verlag als Hardcover erschienen ist. Der Thriller liegt seit März nun auch als Taschenbuch vor.

Die Romanhandlung basiert auf wahren Gegebenheiten, unter anderem einem Flugzeugabsturz am 17. Juli 1996 vor Long Island / New York. Nelson DeMille stützt sich auf die Fakten und veröffentlichten Berichte, hat aber für die Arbeit an seinem Roman auch selbst Ermittler und Augenzeugen interviewt. Offizielle Unglücksursache für den Absturz von TWA-Flug 800 war ein technischer Defekt, der zu einer Explosion und dem Absturz führte. Doch es gab auch Augenzeugenberichte, die auf andere Ursachen hinweisen. Diesen Zweifel am Hergang nutzt DeMille als  Kern, um den er einen plausiblen wie beklemmenden Thriller aufbaut.

Der Roman beginnt mit der Schilderung eines Paares, das seine außereheliche Beziehung am Strand auf Video aufnimmt und dabei unbeabsichtigt den Flugzeugabsturz und die ausschlaggebenden Minuten davor aufnimmt.

Fünf Jahre später begleitet der ehemalige Detective John Corey, der nun bei der Antiterror-Task Force arbeitet, seine Frau Kate Mayfield auf eine Gedenkveranstaltung für die Opfer des Absturzes. Seine Frau ist FBI-Agentin und hat seinerzeit Augenzeugen befragt. Kate hat Zweifel an der offiziellen Darstellung der Geschehnisse. Ein weiterer FBI-Agent ist ebenfalls auf der Veranstaltung anwesend und warnt John Corey davor in dieser Sache tätig zu werden. Er droht ihm mit Konsequenzen, doch das reizt Corey umso mehr…

“Zu jedem Rätsel auf dieser Welt gibt es auch eine Lösung. Man muß nur lange genug leben, um sie zu finden.”

Die Romanhandlung dreht sich um die Suche nach dem Liebespaar und dem Video, das möglicherweise alle Zweifel an den Geschehnissen beseitigen könnte. Die Drohung der FBI-Kollegen war eindeutig und so ist Corey gezwungen, seine Spuren so gut wie möglich zu verwischen und immer einen Schritt weiter zu sein. Seine frühere Arbeit in der Mordkommission kommt ihm dabei immer wieder zugute, ebenso seine Kontakte aus dieser Zeit.

Nelson DeMille hat mit John Corey einen knurrigen Cop geschaffen, der sehr lebendig wirkt. Als Ich-Erzähler teilt er dem Leser seine Sicht der Dinge mit und spart dabei nicht an bissig-ironischen Kommentaren. Den Spannungsbogen hält der Autor nicht durchgängig, aber die zweite  Hälfte des Thrillers ist bis zum Schluß spannend - selbst dann, wenn man als aufmerksamer Leser gegen Ende eine Ahnung hat, wohin das Finale führt. Weiterhin ist positiv zu vermerken, dass der Autor es dabei schafft,  größtenteils auf Gewalt zu verzichten: Blut fließt nur selten und die Schilderungen verzichten völlig auf Effekthascherei durch eine blutrünstige Zurschaustellung.

Nelson DeMille: Nachtflug, Roman. Aus dem Englischen von Georg Schmidt. Ullstein Taschenbuch 2007

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Detektivgeschichten für junge Krimileser

14. November 2007, 13:21:31

Die 4 City-Agents - Reihe ist eine Krimiserie für junge Leser ab 9.  Sie kombiniert Detektivgeschichten im Stile von “Die drei ???” mit den Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten berühmter Städte. Zum Buch gehört jeweils ein herausnehmbarer Stadtplan, an welchem die jungen Leser die Wege ihrer Buchhelden verfolgen können. Die erste Kriminalgeschichte spielt in London.

Laura, Moritz, Marie und Alexander (genannt Lexi) sind für ein paar Tage in London, als sie im Bus einen merkwürdigen Zettel finden. Bald darauf lesen sie in der Zeitung von einem Erpresser, der an verschiedenen Stellen ähnliche Zettel hinterlassen hat und beschließen ihren Fund zu Scotland Yard zu bringen. Dort hat Krimifan Laura eine Idee, wie sie die junge Frau, die an dieser Stelle im Bus gesessen hat, wiederfinden können und so beginnen die vier Freunde damit, eigene Nachforschungen anzustellen.

Auf die Jungdetektive wartet nun eine Verfolgungsjagd durch London und ein paar brenzlige Situationen, in denen Klugheit und Kombinationsgabe gefragt sind… Nach überstandenen Abenteuern gründen die vier Freunde den Detektiv-Klub “4 City Agents” und beschließen, in Zukunft weitere Kriminalfälle zu lösen.

Insa Bauer: 4CA - 4 City Agents, Der Erpresser von London. Illustrationen von Margit Pawle. Coppenrath 2007 

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In derselben Reihe ist ein weiterer Band  mit dem folgenden Titel erschienen:

Insa Bauer: 4CA - 4 City Agents, Dunkle Schatten in Amsterdam. Illustrationen von Margit Pawle. Coppenrath 2007

“Der schönste erste Satz” - das Buch der Begründungen

13. November 2007, 09:37:19

Vergangene Woche wurden die Gewinner des Wettbewerbs um die schönsten Buchanfänge bekannt gegeben. Ergänzend sei hier auf das von der Initiative Deutsche Sprache und der Stiftung lesen herausgegebene Buch hingewiesen, in welchem die schönsten ersten Sätze und etliche Begründungen versammelt sind:

Initiative Deutsche Sprache / Stiftung lesen: Der schönste erste Satz, Hueber Verlag 2007

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Rezension auf Deutschlandradio Kultur

“Der schönste erste Satz” - Buchanfänge gekürt

6. November 2007, 22:49:14

Die Initiative deutsche Sprache und die Stiftung Lesen hatten zu einem Wettbewerb aufgerufen. Von Mai bis September konnten Leserinnen und Leser an der Initivative “Der schönste erste Satz” teilnehmen. Sie waren aufgefordert den Titel eines deutschsprachigen Buches mit dem nach ihrer Meinungen interessantesten Eingangssatz zu nennen und ihre Wahl zu begründen. Besonders häufig wurden der Anfang von Franz Kafkas ”Verwandlung” und der erste Satz aus Cornelia Funkes “Tintenherz” vorgeschlagen. Auswahlkriterium war jedoch nicht die Häufigkeit der Nennung, sondern die jeweilige Begründung.

Folgende  Buchanfänge hat die Jury nun als besonders verheißungsvoll ausgewählt:

  1. Günter Grass: Der Butt
  2. Franz Kafka: Die Verwandlung
  3. Siegfried Lenz: Der Leseteufel

 Der schönste erste Satz eines Kinderbuches ist für die Jury der Eingangssatz aus Janoschs “Lari Fari Mogelzahn

Weitere Informationen:

Das Buch zum Wettbewerb

Der schönste erste Satz

Netzzeitung

Marcolini - ein farbenprächtiger historischer Jugendroman

5. November 2007, 18:25:22

Der im August erschienene neue Jugendroman von Karla Schneider spielt am Fürstenhof in Dresden.

Der fünfzehnjährige Camillo Marcolini ist Silberpage am spätbarocken sächsichen Fürstenhof. Täglich hat er die Pracht des Hofes vor Augen - den Prunk der Gemächer, die edlen Gewänder und die vorzüglichen Speisen.  Er selber muss sich mit einem Bett im Schlafsaal der Pagen und oft mit dünner Milchsuppe  zufrieden geben. Hinzu kommt die schmerzhafte Prozedur, wenn jede Woche die Frisur mit Pomade, Brennschere und Puder in Form gebracht werden muss. Kein Wunder also, dass Marcolini davon träumt am Hofe aufzusteigen. Dann ist er Exzellenz Marcolini, trägt Perücke und samtene Kleidung mit Silberstickerei… Und so ist er bemüht bei Hofe nur positiv aufzufallen, um die Gunst der Herrschaften zu erlangen.

Bald wird Marcolini von der Kurprinzessin Maria Antonia zum Kammerpagen ihres ältesten Sohnes Friedrich August befördert. Marcolini ist nicht sehr erfreut. Der dreizehnjährige Friedrich August hat, wie auch sein jüngere Bruder Karl, die Erbkrankheit des Vaters geerbt, aber anders als diese scheint er nicht nur nicht laufen zu können, sondern gilt als schwerfällig und vielleicht sogar zurückgeblieben. Doch es gilt die Gunst der Kurprinzessin nicht zu verscherzen und so bemüht er sich um den Prinzen und auch darum, ihr die gewünschten Informationen über des Prinzen Wünsche und Schwächen zu beschaffen. Bald wird klar, dass Kurprinzessin Maria Antonia Marcolini dazu benutzen will, Friedrich August um den Thron zu betrügen und stattdessen ihren Liebling Prinz Karl als Thronfolger einzusetzen.

Karla Schneider weiß das Leben am Hofe vor den Augen ihrer Leser erstehen zu lassen. Sinnlich und greifbar schildert sie das höfische Leben zur Zeit des Barocks. Dabei spart sie auch die negativen Seiten nicht aus, wie sie auch Schlaglichter auf das Elend anderer Bevölkerungsgruppen wirft. Sie erzählt aber auch, wie Marcolini dem Prinzen hilft, Eigeninitiative und Freude am Leben zu entwickeln und sich darüber allmählich eine Freundschaft zwischen den beiden ungleichen Jungen entwickelt.

Marcolini ist ein Buchtipp nicht nur für historisch interessierte junge Leser ab 12.

Karla Schneider: Marcolini oder Wie man Günstling wird. Hanser 2007

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