Ein abenteuerliches Jugendbuch um eine alte Kultur

27. Oktober 2007, 13:37:54

Matt ist enttäuscht. Als er in den Ferien aus dem Internat nach Hause kommt, hat seine Mutter, eine Computer-Spezialistin, keine Zeit für ihn. Ein interessanter und lukrativer Auftrag im Ausland winkt und so soll der fünzehnjährige Matt die Ferien bei seinem Vater verbringen. Darauf hat er nun gar keine Lust, denn sein Vater ist ein zum Chaos neigender Archäologe der alles vergisst, wenn er eine spannende Spur verfolgt – bestimmt auch, dass Matt die Ferien nun bei ihm verbringen soll. Und so ist Matt nicht wirklich verwundert, als er zum Haus seines Vaters kommt und dieser nicht da ist. Auch die Unordnung, die verstreuten Bücher und Papiere machen ihn nicht sofort stutzig. Doch dann geschehen Dinge, die Matt sich nicht erklären kann und er findet eine verschlüsselte Botschaft seines Vaters. Er ist sich nicht sicher ob er sie richtig verstanden hat, aber wenn ja, dann ist er entführt worden und Matt soll die Hilfe seiner Tante und ihres Arbeitgebers suchen. Also nimmt Matt zusammen mit seiner Tante, ihrem reichen und an Historischem ebenfalls interssierten Julius Venture und seiner überaus rätselhaften Tochter Robin die Suche nach Matts Vater auf. Bald stößt auch der letzte Auftraggeber seines Vater  dazu. Es ist der einflussreiche Geschäftsmann Atticus Harper, für den Matts Vater den verschollenen Schatz des Ritterordens vom Heiligen Johannes suchen sollte. Nach und nach kommt Matt zusammen mit seinen Verbündeten uraltem und gefährlichem Wissen auf die Spur, das ein Größenwahnsinniger für seine Zwecke mibrauchen will.

Phantastisches, Anklänge an ”Indiana Jones” und Thrilleranteile mixt Justin Richards zu einem unterhaltsamen und fesselnden Jugendbuch, das gemächlich beginnt und zunehmend an Fahrt gewinnt. Matt wirkt lebendig und bietet sich sehr schnell als Identifikationsfigur an, seine Eltern bleiben etwas karikaturhaft. Andere Figuren wie Julius und Robin Venture oder der Geschäftsmann Atticus Harper bleiben lange geheimnisvoll bzw.  nicht wirklich einzuordnen, was im Sinne des Spannungsaufbaus auch durchaus sinnvoll ist. “Der Atlantis Code” ist also gute und spannende Unterhaltung, die insbesondere Jungen ab  12 Jahren sicherlich zu fesseln vermag.

Justin Richards: Der Atlantis Code,  Aus dem Englischen übersetzt von Anne Braun, Loewe 2007

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Herzogin Anna Amalia Bibliothek wird wiedereröffnet

23. Oktober 2007, 18:28:51

Morgen wird die bei einem Brand am 2. September 2004 stark beschädigte Herzogin Anna Amalia Bibliothek wiedereröffnet. Bei dem Brand vor 3 Jahren sind etwa 50 000 kostbare Bücher und Manuskripte durch Feuer und Löschwasser endgültig zerstört worden. Etwa 16 000 Bände sind seitdem restauriert worden, etliche warten noch auch ihre meist aufwendige Einzelrestaurierung. Die Experten hoffen bis zum Jahre 2015 mit der Restaurierung der Buchschäden fertig zu sein.

Die herzogliche Sammlung wurde 1691 gegründet. Unter der Regentschaft der Namenspatronin Anna Amalia (1739-1807) wandelte sich Weimar zum Zentrum der Goethezeit.  Es gelang ihr, herausragende Geistesgrößen wie Goethe (von 1797 bis 1832 Bibliotheksleiter der Herzogin Anna Amalia Bibliothek), Wieland, Herder und Schiller an ihren Hof zu ziehen. Die Bibliothek stand Lesern aller Schichten offen und zählte seinerzeit etwa 400 eingetragene Nutzer.

Herzogin Anna Amalia war eine für ihre Zeit außergewöhnliche Frau. Sie war belesen, sprach Altgriechisch und Italienisch, was mit ihrem Interesse an der Antike zusammenhing. Bücher konsumierte sie nicht einfach, sie fertigte Exzerpte an und übersetzte Schriften. Wenig bekannt ist, dass sie sogar komponierte.

Die Herzogin Anna Amalia Bibliothek gehört zum klassischen Weltkulturerbe und ist die wichtigste Bibliothek der deutschen Literatur zwischen 1750 und 1850.

Buchtipps:

Annette Seemann: Anna Amalia. Herzogin von Weimar, Insel 2007

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Annette Seemann: Die Geschichte der Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Insel Bücherei 2007

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“Harry Potter und die Heiligtümer des Todes” erscheint Ende der Woche

22. Oktober 2007, 19:21:30


Auch für alle Harry Potter-Fans, die die Abenteuer des Zauberlehrlings lieber auf deutsch lesen, neigt sich die Wartezeit dem Ende zu. Erstverkaufstag ist Samstag der 27. Oktober und die meisten Fans dürften ihr Potter-Exemplar schon vorbestellt haben. Verschiedene Medien u.a. der Standard aus Österreich melden einen Amazon-Vorbestellrekord für den deutschen Harry Potter. Mit 230.000 vorbestellten Exemplaren sei dies sogar mehr als die Vorbestellungen für “Harry Potter and the Deathly Hallows”.  Die Welt online feiert die Harry Potter-Bücher sogar in einem langen Artikel als Weltkulturerbe …

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Buchtipp: “Die Mittagsfrau” von Julia Franck

20. Oktober 2007, 11:35:20

Nach Kriegsende ist eine Mutter mit ihrem kleinen Sohn auf der Flucht vor der Roten Armee. In einem Bahnhof steigen sie um, sie lässt ihn auf dem Bahsteig warten und sagt, dass sie gleich wiederkäme. Sie wird nicht wiederkommen. Peter, so heißt der Junge, wird umsonst auf seine Mutter warten.

Dieses verstörende Bild malt Julia Franck in dem Prolog zur “Mittagsfrau”, ein Bild das Fragen aufwirft. Von den Geschichten die an ein solches Bild anschließen können, drängen sich zwei ganz besonders auf: eine Geschichte, die erzählt wie es dazu kommen konnte oder die Geschichte,  die erzählt wie das Kind nach diesem traumatischen Erlebnis weiterlebt, weiter leben kann. Julia Franck erzählt im wesentlichen die erste dieser Geschichten.

Es ist die Geschichte von Helene, der jüngsten Tochter des Buchdruckmeisters Würsich und seiner jüdischen Frau Selma. Sie beginnt mit einer allenfalls äußerlich idyllisch wirkenden Kindheit in Bautzen. Die Mutter nimmt ihre Töchter kaum wahr, vor allem nicht die jüngste, Helene. Sie trauert den bei der Geburt verlorenen Söhnen nach. Nachdem ihr Ehemann gegen ihren Willen in den ersten Weltkrieg zieht, aus welchem er schwer verletzt und sterbend zurückkehren wird, zieht sich Selma immer mehr in sich zurück und stößt ihre Töchter zunehmend von sich. `Blind am Herzen´ nennt Helene ihre Mutter und sucht Kompensation in einer sehr engen Beziehung zu ihrer Schwester Martha. Als sich für die beiden Schwestern die Möglichkeit ergibt zu ihrer Tante Fanny nach Berlin zu ziehen, nehmen die Beiden die Gelegenheit gerne wahr. Martha arbeitet dort als Krankenschwester und stürzt sich in ihrer Freizeit ins Berliner Nachtleben. Helene hat ebenfalls Krankenschwester gelernt und würde gerne studieren, muss sich aber vorerst mit einer Stelle bei einem Apotheker zufrieden geben. Während sich ihre Schwester im Berlin der goldenen Zwanziger vergnügt, bleibt sie die ersten Jahre abends alleine zuhause und liest sich durch die Bibliothek der Tante. An ihrem neunzehnten Geburtstag darf sie erstmals mit und lernt den Studenten Carl kennen. Bald sind sie ein Paar und wollen heiraten, doch Helenes Leben wird sich nicht in der Weise entwickeln, wie sie es zu diesem Zeitpunkt hoffen darf.

Julia Franck erzählt mit einer zurückhaltenden Erzählerstimme. Sie erzählt die Mutter Selma, die trotz ihrer Ich-Bezogenheit manchmal für Augenblicke liebenswert erscheint, genauso wertfrei und kommentarlos, wie das Leben und Verhalten ihrer Tochter Helene, deren kurze und lieblose Ehe mit dem Ingenieur Wilhelm, ihren Umgang mit den Patienten, ihrem Sohn Peter, der Angst vor der Entdeckung ihrer jüdischen Herkunft. Die beiden Frauen erscheinen dennoch als Opfer der Verhältnisse und des Schicksals. Helene verstummt, zieht sich ebenfalls zurück, wenn auch auf eine andere Weise als ihre Mutter, denn sie ist heillos überfordert. Während eines Waldspaziergangs, so kann man vermuten, kommt ihr der Gedanke ihr Kind zurück zu lassen. Aber nicht weil ihr Sohn ihr gleichgülitg wäre, dagegen sprechen andere Situationen, etwa ihre Reaktion als sie Peter in der zerstörten Wohnung an sich drückt. Helene verlässt ihr Kind, weil sie glaubt, dass es Peter überall besser haben wird als ausgerechnet bei ihr. Der Gedanke, dass dies vielleicht das Schlimmste ist, was sie ihm anzun kann, scheint ihr nicht zu kommen…

Figuren die Helene näher sind, werden lebendiger gezeichnet als andere, die manchmal etwas oberflächlich wirken. Dies trifft insbesondere auf die Männer dieses Romans zu, die Helene weitgehend fremd bleiben und damit auch dem Leser. Im weiten Bogen durch Helenes Lebenslauf kann man manchmal vergessen, worum es ursprünglich eigentlich ging – langweilig wird dieser Familienroman aber deshalb noch lange nicht.

Julia Franck: Die Mittagsfrau, Roman.  S. Fischer, 2007.

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Deutscher Jugendliteraturpreis 2007 – die Preisträger

12. Oktober 2007, 20:12:08

Heute wurden auf der Frankfurter Buchmesse die Gewinner des Deutschen Jugendliteraturpreises bekannt gegeben. Stifter des Preises ist das Bundeministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

 Die Kritikerjury zeichnete folgende Kinder- und Jugendbücher aus:

  • Bilderbuch: Nikolaus Heidelbach, Königin Gisela, Beltz & Gelberg
  • Kinderbuch: Jon Fosse (Text) / Aljoscha Blau (Illustr.), Schwester, Aus dem Norwegischen von Hinrich Schmidt-Henkel, Bajazzo Verlag,  ab 5
  • Jugendbuch: Do van Ranst, Wir retten Leben, sagt mein Vater, Aus dem Niederländischen von Andrea Kluitmann, Carlsen Verlag, ab 13
  • Sachbuch: Brian Fies, Mutter hat Krebs, Aus dem Amerikanischen von Wolfgang J. Fuchs, Knesebeck Verlag, ab 15

Die Jugendjury entschied sich für das folgende Jugendbuch: Markus Zusak, Der Joker, Aus dem Englischen von Alexandra Ernst, cbj Verlag , ab 13

Kirsten Boie wurde mit dem Sonderpreis für ihr Gesamtwerk ausgezeichnet.  Seit 1985 ist sie als Kinder- und Jugenbuchautorin tätig und hat seitdem über 60 Bücher veröffentlicht. Zu ihren Werken gehören  neben vielen anderen “Nicht Chicago. Nicht hier” (2002), “Der kleine Ritter Trenk” (2006) und ganz aktuell “Alhambra“.

aspekte-Literaturpreis 2007

10. Oktober 2007, 12:42:37


Morgen bekommt Thomas von Steinaecker für seinen Roman “Wallner beginnt zu fliegen” (Rezension hier) auf der Frankfurter Buchmesse den aspekte-Literaturpreis verliehen. Der begehrte Preis wird als Förderpreis an literarische Debütanten vergeben und beeinhaltet ein Arbeitsstipendium  bis zu einer Höhe von 7.500 EUR.

Zu den früheren Preisträgern gehören u.a. Ingo Schulze (1995), Felicitas Hoppe (1996), Zoe Jenny (1997) und John von Düffel (1998), Autoren die mittlerweile schon einen gewissenen Bekanntheitsgrad haben.

Neben Thomas von Steinaecker waren noch die folgenden Autoren mit ihren Erstlingswerken auf der Shortlist für den aspekte-Literaturpreis:

Deutscher Buchpreis für “Die Mittagsfrau” von Julia Franck

8. Oktober 2007, 19:02:33

Der Deutsche Buchpreis 2007 geht an Julia Franck für ihren Roman “Die Mittagsfrau“!  –> Rezension lesen

Neben der Auszeichnung `den besten Roman des Jahres´ geschrieben zu haben, darf sich Julia Franck über ein Preisgeld von 25.000 EUR freuen. Aber auch die anderen Autoren der shortlist gehen nicht ganz leer aus – sie erhalten je 2.500 EUR und haben Aussicht darauf, dass ihre Romane Bestseller werden. 

Die Frankfurter Buchmesse beginnt bald…

8. Oktober 2007, 11:42:19

Es ist wieder soweit, die wohl größte und bedeutendste Buchmesse steht vor der Tür. Vom 10.-14.10.07 öffnet die Frankfurter Buchmesse auf dem Messegelände ihre Türen für die Fachbesucher, Publikumstage sind der 13. und der 14.10.07. Neben dem Themenschwerpunkt “Katalanische Kultur” erwartet die Besucher ein vielfältiges Angebot um Buchneuheiten der verschiedenen Kategorien –  Belletristik natürlich, Sachbücher, Hörbücher, Kinder- und Jugendbücher, Comics - aber auch Veranstaltungen zu Themen wie Übersetzung, Wirtschaft und Wissenschaft oder ein Bildungsforum.

Heute Abend findet im Rahmen der Auftaktveranstaltung  unter anderem die mit Spannung erwartete Bekanntgabe des Deutschen Buchpreises für den `besten Roman dieses Jahres´. ..

Eine Fülle von Informationen zur Buchmesse findet man natürlich unter www.buchmesse.de  . Das vollständige Veranstaltungsprogramm etwa oder Informationen zum diesjährigen Ehrengast “Katalanische Kultur”…

Auch dieses Jahr gibt es wieder einen Buchmesse-Blog und zwar unter www.buchmesse.de/de/wordpress. Der geneigte Leser findet dort, neben einer Blogger-Parodie auf Goethes Erlkönig, die Beobachtungen und Tipps von acht Bloggern, die Tag für Tag auf der Frankfurter Buchmesse auf Entdeckungstour gehen.

Oder wie wäre es mit dem Buchmesse-Podcast des Literatur-Cafés? Dort erwarten Euch ausführliche und ungekürzte Interviews mit über 30 Autoren und Prominenten, darunter Julia Franck, Thomas Glavinic, Thommy Jaud, Dieter Nuhr, Roger Willemsen und Juli Zeh.

Lieber Buchfreund, diese Woche hast Du wirklich die Qual der Wahl!

Cornelia Funke: Tintentod (Band 3 zu Tintenherz)

4. Oktober 2007, 08:11:39

Vorhang auf! Blättern wir also das dunkle Vorsatzpapier um und treten ein in die Fortsetzung der Geschichte um Bücher, Leser und Dichter:

Elinor sitzt mit Darius in ihrem Haus. Meggie, Resa, Mo – sie alle sind in der Tintenwelt. Ja selbst Orpheus ist nun dort und hat seinen Hund Cerberus und den Schrankmann in ihrem Haus zurückgelassen. Die Büchernärrin verzehrt sich nach ihrer Familie und nach der Tintenwelt.

Mo dagegen füllt mehr und mehr die Rolle des Eichelhähers aus. Tagsüber versteckt er sich mit Meggie und der schwangeren Resa auf einem einsamen Hof. Nachts versucht er zusammen mit dem Schwarzen Prinzen und seinen Männern die Bevölkerung vor den Soldaten zu schützen. Das heißt also, die Ernte oder die Kinder zu verstecken und immer wieder zu kämpfen. Allmählich empfindet er Furcht vor dieser Verwandlung. Und nicht nur er – denn auch Resa und Meggie spüren die Veränderung.

Orpheus versucht sich die Tintenwelt nach seinem Geschmack umzuschreiben. Er liest sich Reichtümer und “verbesserte” Tintenwelt-Wesen, während Farid darauf wartet, dass er endlich die Worte schreibt und liest, die Staubfinger wieder lebendig werden lassen. Dafür hatte Meggie ihn doch in die Tintenwelt gelesen…

Auch im Abschlußband der Tintenwelt ist für Spannung gesorgt: Entführungen und Rettungen in letzter Minute, gewitzte Fieslinge und üble Verräter. Viele vertraute Gestalten findet man in “Tintentod” wieder, aber es kommen auch ein paar neue hinzu. Natürlich haben die Geschehnisse der Tintenwelt die Hauptfiguren verändert und manch einer zeigt eine dunkle Seite, die vorher noch nicht sichtbar war. Viele `Autoren´ schreiben an dieser Geschichte mit: Dichter Fenoglio, `Mondgesicht´ Orpheus und natürlich auch die Tintenweltbewohner selbst. Und so weiß man nie genau, wie es weitergehen wird, wessen Worte Wirklichkeit werden und wie sich das auf den weiteren Verlauf auswirken wird. Ohne allzu viel zu verraten kann man sagen, dass der Schluß letztlich doch anders aussieht, als man zu Beginn des Buches vermuten kann. Ein kluger Schachzug der Autorin ist es, die letzten handlungsverändernden Worte nicht zu offenbaren. So ist die Geschichte beendet und doch offen: das Bedürfnis nach einem sinnvollen Abschluß ist gestillt und lässt doch zu, dass der Leser die Geschichte für sich weiterspinnt. Im Schlußbild, nett gemacht, kann er seine eigene Sehnsucht gespiegelt sehen.

Wie zu erwarten wird “Tintentod” im Feuilleton recht unterschiedlich bewertet. Von starker Kritik bis zur positiven Rezension ist alles vorhanden. Nicht zu Unrecht weist z.B. Cornelia Geissler in der Berliner Zeitung  auf Italo Calvinos “Wenn ein Reisender in einer Winternacht” und Michael Endes “Unendliche Geschichte” hin. Auch Calvino spielt damit, wie Literatur die Leser hineinzieht, wie Wirklichkeit und literarische Fiktion verschwimmen. Aber er reißt den Leser immer wieder aus den jeweiligen Geschichten raus und lässt dadurch viele nicht entsprechend `literarisch sozialisierte´ Leser entnervt und frustriert zurück – ein Buch mehr zum intellektuellen Vergnügen erwachsener Leser, denen das Spiel mit dem Leser gefällt. Größere Nähe scheint zur “Unendlichen Geschichte” zu bestehen, doch Cornelia Funke geht weiter als Miachel Ende. Ihre Tintenwelt-Trilogie ist durch die Verwebung mit realen existierenden oder fiktiven Büchern erheblich komplexer und lässt sich dadurch vielschichtiger lesen. Man kann sie als fesselnde, farbige, verzaubernde Geschichte ebenso lesen, wie als intertextuelles Werk mit unzähligen mehr ode rminder deutlichen Bezügen. Wenn man will , kann man auch den von ihr angelegten Pfad weitergehen und gelangt zu der mittelalterlichen Vorstellung von der `Welt als Buch´ die Balbulus dem Illuminator vielleicht überhaupt nicht fremd ist. Mo und Meggie scheinen jedenfalls durchaus in Betracht zu ziehen, dass die Welt aus der sie stammen vielleicht auch nur ein Buch ist. Man kann sich aber auch einfach nur in die Geschichte hinein fallen lassen. Und auch dann bleibt Cornelia Funkes Tintenwelt ein lebendiges, verzauberndes, ein beachtliches Werk!

Cornelia Funke: Tintentod. Mit Illustrationen der Autorin, Cecilie Dressler Verlag 2007

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Rezensionen im Oktober

1. Oktober 2007, 10:54:43

Eine kurze Vorschau auf geplante Rezensionen im Oktober:

Kategorie Roman:   Julia Franck, Die Mittagsfrau, S. Fischer 2007 –> Rezension lesen

Kategorie “all age”-Fantasy:   Cornelia Funke, Tintentod, Dressler 2007 -> Zur Rezension

Kategorie Krimi/Thriller:   Nelson DeMille, Nachtflug, Ullstein Taschenbuch 2007 –> Rezension lesen

Kategorie Jugendbuch:   Justin Richards, Der Atlantis Code, Loewe 2007 –> Rezension lesen

 Karla Schneider, Marcolini oder wie man Günstling wird, Hanser 2007 –> Rezension lesen

und einige andere Neuerscheinungen mehr…