Wohin Du auch gehst: Liebe unter schwierigen Bedingungen

29. September 2007, 15:18:26

In “Wohin Du auch gehst” erzählt der Journalist Benjamin Prüfer eine wahre Geschichte - die Geschichte, wie er seine Frau kennen und lieben lernte und mit welchen Schwierigkeiten ihn diese Liebe  konfrontiert.

In seinem Urlaub lernt Benjamin Prüfer in Kambodscha Sreykeo kennen. Die beiden verlieben sich ineinander und verleben einige Wochen eine sehr intensive Zeit miteinander. Doch irgendwann neigt auch der längst Urlaub sich dem Ende, Benjamin muss nach Deutschland zurück. Sreykeo erhofft sich, dass er sie heiraten wird, doch heiraten wollte er eigentlich noch lange nicht. Er verspricht sie zu unterstützen, mit ihr Kontakt zu bleiben und fliegt nach Hause. Das hat sie von Männern schon oft gehört und so bleibt sie wohl ohne Hoffnung zurück. Doch Benjamin meldet sich bei ihr, schickt Geld, kommt immer wieder nach Kambodscha.

Wie viele Mädchen in Kambodscha arbeitet Sreykeo als Prostituierte, um für den Lebensunterhalt sorgen. Viele der Mädchen, so auch Sreykeos Schwester, leiden an Aids. Um sich vor HIV zu schützen benützt Sreykeo Kondome. Doch als sie immer wieder unter Infektionen leidet, bringen Untersuchungen zutage, dass sie sich mit HIV infiziert hat.

 ”Ein Mensch. Man hält seine Hand. Man kennt jeden Kratzer, jede Falte an ihr. Und doch hat sich alles verändert, es ist nicht mehr dieselbe Hand. Ab jetzt ist man nicht mehr zu zweit, nie mehr allein, es ist noch ein Dritter im Bunde, den man nicht ignorieren darf.”

Ihre junge Liebe - ohnehin schon durch Zweifel und Mißtrauen bedroht - wird auf eine harte Probe gestellt. Benjamin Prüfer ist hin und hergerissen, kann sich zunächst das `perspektivlose Leben´ mit einer HIV-Kranken nicht vorstellen und entscheidet sich letztlich doch für sie…

Vielfach hat man das Gefühl, dass die tödliche Immunschwäche Aids nur noch zu bestimmten Anlässen thematisiert wird. Wer dieser Tage die Nachrichten verfolgt hat, hat möglicherweise die aktuellen Zahlen gelesen, die anlässlich der Geberkonferenz zur Finanzierung des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids und anderen Infektionskrankheiten bekannt gegeben wurden. Doch die Problematik bleibt in den Nachrichten abstrakt, bleibt uns fern. Prüfer bringt sie seinen Lesern näher, denn er lässt sie ungeschönt an der Realität teilhaben:  an den Problemen und seinen inneren Kämpfen ebenso, wie an der Erleichterung, wenn die Therapie trotz aller Schwierigkeiten nicht nur organisiert ist, sondern anschlägt und eine Atempause verschafft. Bei aller Offenheit wird er dabei nie larmoyant.

“Wohin Du auch gehst” ist die Geschichte zweier Menschen die die Herausforderung annehmen, trotz HIV und großer kultureller Unterschiede miteinander zu leben und Verantwortung zu übernehmen. Benjamin Prüfer erzählt sie auf eine solche Weise, dass sie trotz der ernsthaften Thematik ihre Leser nicht erdrückt - ergreifend und beeindruckend.

Benjamin Prüfer: Wohin Du auch gehst. Die Geschichte einer fast unmöglichen Liebe. Scherz Verlag 2007

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`Tintentod´: Band 3 der Tintenwelt-Trilogie erscheint

24. September 2007, 12:57:49

Endlich ist es soweit. Am 28. September erscheint der letzte Teil von Cornelia Funkes Tintenwelt-Trilogie. Viele junge und nicht mehr ganz so junge Leser erwarten das Buch schon sehnsüchtig, können es gar nicht abwarten sich in das Tintenwelt-Finale hinein zu stürzen. “Tintentod” erscheint mit einer Startauflage von einer halben Million Exemplaren. Das deutet schon auf den großen Erfolg dieser Fantasy-Reihe hin, deren erster Band “Tintenherz” (2003) mehr als 780.00 mal, der Folgeband “Tintenblut” (2005) immerhin schon mehr als 520.00 mal verkauft worden ist.

Seit dem durch die Harry Potter-Bücher ausgelösten Fantasy-Boom, wird die beliebte Autorin in den  Medien gerne mal als `deutsche Rowling´ bezeichnet. Niemand wird ernsthaft bezweifeln, dass Cornelia Funke und andere insbesondere Fantasy-Autoren vom Erfolg der Harry Potter-Bücher profitieren - auch Cornelia Funke räumte dies in einem Interview anlässlich des Erscheinens von “Harry Potter and the Deathly Hallows” (FOCUS 29/2007) ein. Dennoch tut man der Autorin Unrecht, wenn man sie darauf reduziert. Mehr als 40 Bücher hat sie veröffentlicht und das Spektrum reicht von Bilder- und Erstlesebüchern bis hin zu den sogenannten “All age”-Büchern -  Bücher also, die von Jugendlichen wie Erwachsenen gelesen werden. Realitätsnahe, witzige Bücher gehören ebenso dazu, wie eben jene phantastischen Romane, die ihren internationalen Durchbruch eingeläutet haben.

Leider ist es soweit. Der letzte Band einer besonderen Fantasy-Reihe erscheint: Bücher über Bücher und Leseratten. Über die Macht die ein Buch beim lesen und vorlesen auf uns ausübt. Bücher, die die Kraft des Erzählens und der Phantasie zelebrieren, in der in einem aberwitzigen Gedankenspiel Figuren aus einem Buch in ein anderes wechseln können und mit ihnen der Leser - . Mit ”Tintentod” müssen viele begeisterte Leser von der Tintenwelt Abschied nehmen.

Bleibt ihnen ein Trost: Cornelia Funke hat schon oft bewiesen, dass ihr die Phantasie so schnell nicht ausgeht…

Cornelia Funke: Tintentod. Dressler 2007

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Ein neuer Krimi in der Kristof Kryszinski-Reihe

22. September 2007, 13:07:13


Für seine Romane “Prickel” (1998) und “Der Willi ist weg” (2001) hat Jörg Juretzka den Deutschen Krimipreis erhalten. In seiner Reihe um den Detektiv Kristof Kryszinski ist kürzlich ein neuer Kriminalroman mit dem Titel “Bis zum Hals” erschienen.

Privatdetektiv Kryszinski steckt mal wieder bis zum Hals in Schwierigkeiten. Von seinem letzten Kunden um das Honorar geprellt, fährt er nachts schlecht gelaunt nach Hause, als ihm ein schmächtiger blonder Mann vor das Auto gestoßen wird. Er kann nicht mehr schnell genug ausweichen und überfährt ihn. `Körperverletzung mit Todesfolge´ meint die Polizei und möchte am liebsten den  Führerschein des wegen seiner Alkohol- und Drogendelikten berüchtigten Detektivs einziehen. Kryszinski nimmt Ermittlungen auf. Wer ist der Unbekannte und wer hatte ein Motiv ihn zu töten? In dem Wagen den das Opfer benutzt hat, findet er - gut versteckt - Papiere und einen Schlüssel. Die Papiere weisen ihn als einen Russen aus. Als kurze Zeit später die Witwe vor seiner Tür steht, verkompliziert sich alles. Nicht nur, dass Kryszinski sich in sie verliebt, ganz offenbar sind die Mörder ihres Mannes auch hinter Anoushka her.  Aber da war ja auch noch die Geschichte mit seinem letzten Auftraggeber: Kryszinski hat sich zur Untermauerung seiner Forderung das Schlüsselbord des Fuhrparks `ausgeliehen´, was der Klient gar nicht witzig findet und ihm einen Schlägertrupp auf den Hals schickt…

Privatdetektiv Kryszinski muss also einen mehrfachen Spagat versuchen: Anoushka schützen und für sich gewinnen, sein Geld eintreiben, den Schlägern nicht in die Arme laufen und die Mörder überführen. Was er auch tut, er reitet sich immer tiefer in Schwierigkeiten. Mehr als einmal wird es brenzlig für den Helden, der eigentlich gar keiner sein will.

Es geht turbulent zu in Juretzkas neuem Krimi, manches wirkt etwas übetrieben und überdreht. Wer sich daran nicht stört, findet mit “Bis zum Hals” kurzweilige Unterhaltung mit einem trotz aller Fehler sympathischen Helden, der sich ironisch-selbstkritisch auch mal selber auf die Schippe nimmt. Der Humor ist einer der Pluspunkte dieses Romans, ob in den Dialogen oder in den Überlegungen des gebeutelten Privatdetektivs.

Jörg Juretzka: Bis zum Hals. Kriminalroman. Ullstein Taschenbuch 2007

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Ein Bestseller aus den Niederlanden

13. September 2007, 12:46:38


Jan Siebelinks Roman “Knielen op een bed violen” (2005)  ist in den Niederlanden mit mehr 400.000 verkauften Büchern ein von Kritikern und Publikum geschätzter Bestseller. Sein autobiographisch gefärbter Roman ist nun, als erstes seiner Bücher, ins Deutsche übersetzt worden und Ende August im Arche Verlag erschienen.

“So geleitet einen die Erde von selbst, ganz allmählich, immer weiter in die Tiefe.” 

Hans Sievez wächst in einem armen Dorf in den Niederlanden auf. Sein Vater schließt sich nach einer Vision einer Gruppe von Menschen an, die einem angeblich reineren  Glauben anhängt. Er erzieht Hans mit harter, unbarmherziger Hand. 

Schon in der Schulzeit hat der kränkliche Junge einen Blick auf Margje geworfen, spielt in der Pause Theater auf dem Schulhof, um sie zu beeindrucken. Nach der Schule ist er oft im Moor, wo er ein kleines Versteck hat und Dinge in die Natur hinein fantasiert. Die Fantasie ist sein Schutzraum vor der harten Realität. Als sein Vater, bald nach dem frühen Tod der Mutter, Hans´ Kaninchen schlachtet, ist das der Auslöser weg zu gehen. Er zieht in die Stadt und macht eine Gärtnerlehre.  Hier trifft er das erste mal auf Jozef, einen Gärtnergesellen, welcher einer christlichen Sekte angehört. Jozefs Anhänglichkeit beginnt ihn bald zu stören und er versucht sich seinem Einfluß zu entziehen…

Einige Jahre später, Hans hat seine Jugendliebe Margje geheiratet und erfüllt sich zusammen mit ihr sogar den Traum von der eigenen Gärtnerei, tritt Jozef wieder in sein Leben. Jozef ist jetzt Laienprediger und Hans kann sich seinem Einfluß auf die Dauer nicht entziehen. Mehr und mehr nimmt die Religion Raum in seinem Leben ein, ein heimlicher Riss wird spürbar, der ihn mehr und mehr von Margje und seinen Söhnen entfernt. Einen Teil des ohnehin zu geringen Verdienstes gibt er für religiöse Schriften aus, versteckt sich in der Gärtnerei, um in Ruhe darin zu lesen. Er versucht auch seine Familie zu bekehren, aber weniger um diese zu retten, als um der eigenen Verdammnis zu entgehen. Manchmal spürt er selber, dass er auf einem bedenklichen Weg ist und darin seinem Vater sehr ähnlich wird. Seine tapfere Frau kämpft um ihn und um das gemeinsame Glück…

“… und hätte der Liebe nicht…”    I. Kor 13

Eindringlich und einfühlsam zeigt Jan Siebelink, wie der religiöse Wahn des Familienoberhaupts viel Leid über die Familie bringt, entlarvt einen fanatischen Glauben, der das jenseitige Heil des Einzelnen  so viel höher stellt, als das Wohlergehen der Familie im Diesseits, als lieblos und kalt. Die letzten Kapitel des Buches jagen einem Schauder über den Rücken - auch die rückblickende Verdrängung des Erlebten durch Margje. “Im Garten des Vaters” ist auch ein Roman über eine große Liebe, die durch eine lebensfeindliche Religion erdrückt wird.

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Jan Siebelink: Im Garten des Vaters, Roman. Aus dem Niederländischen von Bettina Bach, Arche 2007

Deutscher Buchpreis 2007 - die Shortlist

12. September 2007, 12:59:48

Aus der 20 Bücher umfassenden Longlist hat die siebenköpfige Jury um die Vorsitzende Felicitas von Lovenberg (Frankfurter Allgemeine Zeitung) die sechs Titel der Shortlist ausgewählt. Es sind:

Welches dieser Bücher vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels als `bester deutschsprachiger Roman des Jahres´ ausgezeichnet wird, wird erst im Rahmen der Preisverleihung am 8. Oktober im Kaisersaal des Frankfürter Römer bekannt gegeben. Es bleibt also spannend!

Thomas von Steinaecker hat gleich zwei Chancen auf einen Preis - “Wallner beginnt zu fliegen” steht auch auf der shortlist für den “aspekte”-Literaturpreis 2007, welche die derzeit bedeutendste Auszeichnung für deutschsprachige Erstlingswerke ist. Der Literaturpreis des ZDF-Kulturmagazins wird in diesem Jahr zum 29. mal vergeben. Die Preisverleihung findet am 11. Otober auf der Frankfurter Buchmesse statt.

Bilderbuch-Tipp: König Wirklichwahr

8. September 2007, 11:42:39


Im Thienemann Verlag ist dieses schöne Bilderbuch erschienen, welches sich mit dem Problem der Wahrheit auseinander setzt.

Muss man immer die Wahrheit sagen? Nachdem ihn seine Mutter dazu ermahnt hat, hält sich Leo daran. Schnell stellt er aber fest, dass dies aber manchmal bei seinen Mitmenschen und selbst bei seiner Mutter auf wenig Gegenliebe stößt. Es bringt ihm sogar Ärger ein. Das mit der Wahrheit und der Lüge ist offenbar eine ziemlich schwierige Sache…

Hilfe naht durch König Wirklichwahr, der (wirklich wahr!) plötzlich aus Leos neuem Bilderbuch heraussteigt, welches im übrigen genauso aussieht, wie jenes das der Bilderbuch-Leser gerade in den Händen hält. Anhand verschiedener Beispiele erklärt König Wirklichwahr, dass man die Wahrheit mit der Hilfe von Bauch und Herz erst finden muss und so weiß Leo am Schluss dann auch, wie er einen Fehler wieder gutmachen kann.

Edith Schreiber-Wicke / Carola Holland: König Wirklichwahr. Thienemann 2007

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Wilhelm Genazino erhält den Kleist-Preis 2007

4. September 2007, 12:13:23

Der Schriftsteller Wilhelm Genazino ist einer der vielversprechendsten Erzähler unter den Gegenwartsautoren. Erfreulich, dass sich dies in einem `Auszeichnungsregen´ niederschlägt. Schon etwas länger steht fest, dass er am 16. September in München für seinen Roman “Mittelmäßiges Heimweh” (Rezension hier) den Corine-Belletristikpreis 2007 verliehen bekommt. Nun erhält der Georg-Büchner-Preisträger von 2004  auch den mit 20 000 Euro dotierten renommierten Kleist-Preis. Die Preisübergabe wird am 25. November in Berlin stattfinden. Preisträger der letzten Jahre waren unter anderem Daniel Kehlmann (2006), Martin Mosebach (2002) und Judith Hermann (2001).