Ratgeber: Informationen schneller aufnehmen und verarbeiten

31. Mai 2007, 18:44:58

Der hier vorgestellte Ratgeber von Christian Grüning richtet sich vor allem an alle, die vor der Aufgabe stehen, ständig aus der Informationsflut die für sie relevanten Informationen heraus zu filtern und zu verarbeiten, um den an sie gestellten Anfroderungen gerecht werden zu können. Angesprochen dürfte sich also neben Studenten auch die ständig wachsende Zahl derjenigen fühlen, für die Weiterbildung und “lebenslanges Lernen” selbstverständlich sind.

Der Autor ist der Ansicht, dass die Diskrepanz zwischen der bei den meisten Lesern langsamen Lesegeschwindigkeit und der schnellen Informationsverarbeitung des Gehirns zu leichter Ablenkbarkeit führt. Die Folge sind mangelnde Konzentration, schlechtes Textverständnis und eine geringere Erinnerung an die Textinhalte. Ausgehend von dieser These versucht Christian Grüning mit seinem Übungsprogramm zunächst zu einer höheren Lesegeschwindigkeit anzuleiten. Es geht dem Autor dabei um eine effektive Lesetechnik die, wie der Name schon sagt, den visuellen Teil des Lesens stärkt, um seine Vorteile nutzen zu können. Flankierend führt er zusätzlich Lerntechniken ein, die die Aufnahme und Verarbeitung der Textinhalte erleichtern und die Gedächtnisleistung verbessern sollen.

Der Ratgeber ist verständlich und angenehm geschrieben, die Übungen anschaulich erklärt und gut durchzuführen. Die Selbstkontrolle ist allerdings nicht immer so objektiv wie es scheint, ist das Ergebnis bei den Aufgaben zum Textverständnis von den möglicherweise zufällig vorhandenen Vorkenntnissen und der eigenen Wertung abhängig. Da es hier aber mehr um Tendenzen geht, ist das vielleicht aber auch zu vernachlässigen.

Fazit: Die von Christian Grüning beschriebenen Lese- und Lerntechniken sind zur Erarbeitung unterschiedlichster Fachliteratur sicherlich hilfreich. Weiter Faktoren wie die positiven Wirkungen körperlicher Bewegung und ausgewogener Ernährung (Stichwort Brainfood) etc. werden ebenfalls kurz angesprochen. Auf Romane und andere belletristische Literatur möchte ich den größten Teil seiner Lesetechniken allerdings nicht so gerne angewendet sehen, kommt es hier ja nicht nur auf den Inhalt im Sinne der reinen Handlung an – die vom Autor vorgesehene Reihenfolge der Wörter hat oft ihren eigenen Wert und Sinn…  

Christian Grüning: Visual Reading® . Garantiert schneller lesen und mehr verstehen, Verlag Grüning 2007

Erscheinungstermin der deutschen Ausgabe von Harry Potter Bd.7

24. Mai 2007, 16:38:58

Die deutsche Ausgabe des letzten Bandes von Harry Potter erscheint am 27.10.2007.  Der Titel steht leider noch nicht fest. Übersetzt wird der siebte Band auch diesmal von Klaus Fritz, das Buchcover gestaltet wie gewohnt Sabine Wilharm.

 Vorbestellung der deutschen Ausgabe von Harry Potter 7

Brillant-tristes Grau – der “Schwarzweißroman” (Marion Poschmann)

21. Mai 2007, 13:42:55

Der zweite Roman der insbesondere als Lyrikerin geschätzten Marion Poschmann erzählt von einer jungen deutschen Frau die, gestrandet zwischen Studium und Beruf, ihren als Ingenieur im Ural arbeitenden Vater besucht. Sie wird getrieben von einer vagen Sehnsucht und der Unschlüssigkeit, wie es weiter gehen soll. Die ungeheure Größe des schneebedeckten Landes, in welchem so vieles unwirklich wirkt, verändert die Menschen die dort leben und arbeiten – verändern auch sie.

Ihrem Roman stellt die Autorin ein Zitat El Lissitzkys voran, einem vom Suprematismus inspirierten Künstler. Hier stehen die Farben Schwarz, Weiß und Schwarz-Weiß für das Allgemeinmenschliche und das Kollektiv, die einzelnen Farben dagegen für das Subjektive, den Individualismus des einzelnen. Nur Individualismus könne Farbigkeit in den “Stahl-Beton-Kohle-Alltag” bringen, rote Farbe. Damit ist das Grundthema des Romans angeschlagen – das Verschwinden des Individuums in der weißen Weite der unwirtlichen und verseuchten russischen Landschaft ebenso, wie im deprimierenden Alltag eines grauen Lebens in grauem Beton – dem die Erzählerin zu Beginn als roter Tupfer gegenüber steht.

Die Ich-Erzählerin fliegt nach Russland, in die Stadt Magnitogorsk um ihren Vater zu besuchen. Dieser lebt und arbeitet dort, wie eine ganze Reihe anderer deutscher Experten, weitgehend von der Bevölkerung isoliert. Das Leben in der weißen und grauen Einöde verändert die Menschen. Sie versuchen sich abzulenken, trinken, stürzen sich in Beziehungen, viele verfallen in Lethargie und Depression. Auch die junge Frau spürt  sehr bald die Auswirkungen der Umgebung auf ihr Empfinden. Anfangs ist sie als Person noch etwas greifbarer, als eine junge Frau in einem roten Wollmantel, die sich auf Reisen begibt, doch das ändert sich bald. Schon gleich zu Beginn des Buches wird  in großem Stil die Farbsymbolik eingesetzt: Grau als Farbe des Ostblocks, Konturen verlieren sich im Grau, Schwärze der Dunkelheit, die weiße unendliche Landschaft und die grauen Blöcke der Häuser, anonyme gleichgültige Würfel, Quadrate und Rechtecke die nebeneinander liegen. Ihr Vater erscheint  ihr als bunter Tupfer, der allmählich die graue Farbe der Umgebung annimmt. Wenn sie selber im weiteren Verlauf als “roter Mantel” oder als Person in rotem Mantel bezeichnet wird hat sie zwar ihre Farbe behalten (auch wenn der Mantel sich zwischendurch dem Schatten der Umgebung anpasst), ist aber als Individuum weniger sichtbar und wird unpersönlicher. Am Ende des Romans verschwindet die Erzählerin zusammen mit ihrem Vater bei einem Ausflug ins radioaktiv verseuchte Sperrgebiet – Ende offen.

Verschiedene Episoden stehen nebeneinander: Einkauf im Kaufhaus, eine rein körperliche Beziehung zum Chef ihres Vaters, eine romantisch anmutende Beziehung zu einem schwerkranken Musiker. Dazwischen Ausflüge mit unterschiedlichen Begleitern, die unterschiedlichen Versuche der deutschen Experten mit der Situation fertig zu werden, gegen Ende Vorbereitungen der Reise ins Sperrgebiet. Die Ausschnitte wirken oft unverbunden, manchmal fast schon beliebig. Klischeehafte Vorstellungen von Russland werden gepflegt: Lange Schlangen, graue, Wohnblocks, Vertuschung von Atomunfällen, Mangelversorgung der Bevölkerung, Mißwirtschaft die die Baustelle lahmlegt, der Umgang mit dem zweiten Weltkrieg und seinen Helden. Gut möglich, dass es nicht nur Klischees sind – diesbezüglich kann ich mir kein Urteil erlauben.

Einziger Lichtlick  – die bildreiche Sprache, die mitunter beeindruckend ist und eine unwirkliche Atmosphäre schafft, welche dem Thema auch angemessen erscheint. Marion Poschmann türmt die Sprachbilder so stark auf, dass sie in ihrer Masse manchmal genauso erdrückend wirken, wie der ständig fallende Schnee in der grauen Stadt. Bisweilen setzt sie sie so massiv ein, dass sich die Wirkung verkehrt und wie Schaumschlägerei wirkt.

Ein zwiespältiges Gefühl bleibt zurück. Sprachlich außergewöhnlich bis brillant, widersetzt sich der Schwarzweißroman einer flüssigen Lektüre und einem tiefen Verständnis. Vieles ist rätselhaft, etliche Fragen und Zusammenhänge bleiben offen und so dürften wohl viele Leser, die nach einem Roman suchen der sie mit sich reißt, wahrscheinlich unbefriedigt bleiben.

Marion Poschmann: Schwarzweißroman, Frankfurter Verlagsanstalt 2005

Das Wolkenvolk 3 (Kai Meyer): “Drache und Diamant”

16. Mai 2007, 13:02:16

Viele Fantasy-Freunde erwarten ihn mit Spannung, den dritten Band der Wolkenvolk-Trilogie von Kai Meyer. Der letzte Band trägt den Titel “Drache und Diamant” und erscheint im Juni im Loewe Verlag. Der Autor hat das Cover in warmen Rottönen im Eintrag vom 12. Mai hier eingestellt – es darf also schon bewundert werden. Was den Inhalt des dritten Bandes betrifft, so ist vorläufig noch Geduld angesagt. Die Situation am Ende von “Lanze und Licht” lässt ja einiges an Entwicklungen zu: Mondkind ist schwer verletzt, Niccolo nun selber mondsüchtig – kann er den Äther überhaupt noch aufhalten? Was ist mit dem letzten Unsterblichen? Kann er es schaffen oder strebt er nur nach Macht?

Wer neugierig auf die Fortsetzung ist – Rezension folgt, versprochen!

Die angekündigte Rezension von “Drache und Diamant ist hier.

Demnächst im Literatur Blog?

13. Mai 2007, 13:24:06

Aus dem Bereich Belletristik sind Rezensionen der folgenden Titel in Vorbereitung:

Von Marion Poschmann der ”Schwarzweißroman”, ein außergewöhnliches Buch, welches 2005 erschienen ist. In Ihrem zweiten Roman erzählt die Autorin von einer jungen Frau, die ihren im Ural als Ingenieur arbeitenden Vater besucht. Das Land und die besondere Situation haben ihn verändert – und zeigen innerhalb kürzester Zeit auch bei ihr eine Wirkung … –> zur Rezension

Weiterhin ist für die nächste Zeit auch eine Rezension der zweibändigen Mythgarthr-Saga des US-amerikanischen Science-Fiction und Fantasy-Autors Gene Wolfe vorgesehen.

–> Rezension “Der Ritter - Mythgarthr 1

–> Rezension “Der Zauberer – Mythgarthr 2

Weitere Romane und Erzählungen, die hier bereit liegen und möglicherweise berücksichtigt werden, sind:

  • Jacques Berndorf: Ein guter Mann, Roman 2005 –> zur Rezension
  • Ian Rankin: Die Sünden der Väter. Ein Inspector-Rebus-Roman, 2006
  • Ildikó von Kürthy: Höhenrausch, Roman 2006 –> zur Rezension
  • Günter Kunert: Irrtum ausgeschlossen. Geschichten zwischen gestern und morgen, 2006 

Ralf Rothmann mit Erik-Reger-Preis ausgezeichnet

12. Mai 2007, 21:22:53

Nach Uwe Timm (2003) und Peter Rühmkorff (2005) durfte Ralf Rothmann am 05.05.07 den Erik-Reger-Preis in Mainz entgegen nehmen. Der Preis wird von der Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz alle 2 Jahre vergeben und würdigt `herausragende Darstellungen der modernen Lebens- und Arbeitswelt´. Charakteristisch für das Werk Rothmanns ist seine klare und berührende poetische Sprache, welche auch seinen im vergangenen Jahr erschienenen Erzählband “Rehe am Meer” auszeichnet.

Hörbuch: Robert Gernhardt parodiert Klassiker

12. Mai 2007, 17:59:33

Der Schriftsteller, Lyriker, Zeichner und Maler Robert Gernhardt ist für Humor und Sprachwitz bekannt. In dem 2001 aufgezeichneten Mitschnitt einer Lesung arbeitet er sich in verschiedenen `Dichterzungen´ einmal quer durch die Literaturgeschichte, macht aber auch vor der Bibel und unpersönlichen und überpersönlichen Redeweisen wie dem Journalistenjargon oder Legenden nicht Halt.

Gernhardts Ausflug durch die Weltliteratur beginnt mit der Verkündung von Gottes elftem Gebot (“Du sollst nicht lärmen”) an seinen Knecht Gernhardt, dem eine Fülle an Sonder- und Ausnahmeregelungen beigestellt wird. Weiter geht es mit Plato, Dante, Boccacios “Decamerone” um dann ein Weilchen in den Gefilden der deutschen Literatur zu verweilen. Er dichtet ein Potpourri des hohen lyrischen Tons, welcher Goethe, Schiller, Rilke und andere Klassiker vereint. An Joseph von Eichendorffs “Zwielicht” führt der Lyriker die Classic Sandwich” – Technik vor, mit der man (so Gernhardt) problemlos den Gedichtbestand verdoppeln könne: Man nehme die erste und die letzte Zeile eines Gedichts und füge eine neue `Füllung´ ein… Die Füllung, das ist klar, offenbart völlig neue Zusammenhänge. Herrlich auch seine Parodie von Wilhelm Buschs “Max und Moritz”. Das Attentat auf Lehrer Lämpel wird hier zum Busen-Attentat von Pat und Doris auf ihren Professor Theodor W. Adorno.

Lustige Gedichte, meinte Gernhardt, könne man nicht ins Lächerliche ziehen, dafür aber weiterdichten, so wie er es mit Ernst Jandls monovokalem Gedicht “Ottos Mops” tut. Ob “Annas Gans” oder “Gittis Hirsch” usw. dies sind für mich die schwächeren Teile einer ansonsten sehr vergnüglichen Lesung, welche in der Tat dazu verführt (so der Klappentext ) auch mal wieder nach einem der Originale zu greifen, um es zu lesen.

Die Dichterlesung bietet erwartungsgemäß eine Fülle an Sprachspielen, satirischen Zuspitzungen, Wort- und Sinnverdrehungen. Robert Gernhardt ist es hervorragend gelungen, den Stil von Dichtern und Textsorten herauszukristallisieren und nachzuahmen – egal ob es sich um Lyrik, Prosa oder satirische Texte im Ton einer Erstleser-Fibel handelt. Überdies sind die einzelnen Teile von Gernhardt gekonnt in Ein- und Überleitungen eingebettet und vorgetragen – dieses Hörbuch ist ein Ohrenschmaus, der Freunden Gernhardtschen Humors den Verlust des im letzten Jahr Verstorbenen wieder spüren lässt.

Robert Gernhardt: In Zungen reden, Stimmenimitationen von Gott bis Jandl, 2 CDs (ca. 85 Minuten), Der Hörverlag, München 2001

Eine Mozart-Novelle von Peter Härtling

5. Mai 2007, 20:50:01

Nach seinen Künstlerromanen über E. T. A. Hoffmann, Robert Schumann und Franz Schubert ist dieses Jahr Peter Härtlings Novelle über den jungen Wolfgang Mozart erschienen. Sie beschreibt einen Ausschnitt von etwa dreieinhalb Jahren, in denen die Familie Mozart ausgedehnte Konzertreisen unternahm. Nachdem Vater Leopold Mozart seine begabten Kinder in Adelskreisen vorgestellt hat, ist man vielerorts in Europa begierig darauf, die außergewöhnlichen Mozart-Kinder musizieren zu hören. Der Vater ergreift die Gelegenheit und reist mit seiner Familie herum, arrangiert Konzerte an Akademien und Höfen. Peter Härtling beschreibt diese Tourneen als eine Schwindel erregende Abfolge von Reisen und Konzerten, in der zu wenig Zeit zum ausruhen und zum spielen bleibt. Aber auch ein Wunderkind ist ein Kind und so versucht sich das Wolferl selber einen Ausgleich zu schaffen. Zum Beispiel in dem er sich den Quintus herbei phantasiert, einen Geist den er zunächst ausschickt um seine Schwester zu necken. Das Reisen, meist in Pferdekutschen, ist anstrengend, die Gagen nicht immer unbedingt üppig und so zehrt dieses Leben an den Kräften der Kinder, die beide schwer erkranken. Nach seiner Genesung ist Wolfgang ein anderer – er ist der Kindheit entwachsen und sein Schabernack treibender Geist für immer verschwunden…

Peter Härtling schildert aus einer leicht distanzierten, aber dennoch liebevollen Perspektive. Seine Beschreibung des Kindes Wolfgang macht Spaß, weil er das Kindliche im Genie immer wieder kaum gefiltert mit einfließen lässt und so einen Gegenpol zur Hetze der Reisen schafft.

Peter Härtling: Das ausgestellte Kind, Mit Familie Mozart unterwegs, Kiepenheuer & Witsch 2007