Spannende Abenteuer in einer mittelalterlichen Ritterwelt

30. Dezember 2006, 23:11:37

Heute möchte ich einen Abenteuer – Roman für junge Leser vorstellen, der in der Welt der Ritter und Burgen spielt. Geschrieben hat ihn die 1930 geborene Tonke Dragt, die noch eine ganze Reihe weiterer Kinder- und Jugendbücher geschrieben hat, darunter eine Fortsetzung der hier vorgestellten Abenteuergeschichte. Hier soll es aber zunächst um “Der Brief für den König” gehen.Am folgenden Morgen soll Tiuri, der Sohn von Tiuri dem Tapferen, in die Fußstapfen seines Vaters treten und zum Ritter geschlagen werden. Doch um den Ritterschlag empfangen zu dürfen, muss er noch eine letzte Probe bestehen und die Nacht mit seinen Kameraden schweigend und wachend in der Kapelle verbringen. Unter keinen Umständen dürfen sie die Kapellentür öffnen! Doch mitten in der Nacht macht sich ein alter Mann an Tür und Fenster bemerkbar und bittet Tiuri um Hilfe. Ein Brief für den König eines Nachbarlandes muss dringend an einen Ritter übergeben werden und Tiuri soll der Bote sein. Er willigt ein und hofft noch vor dem Morgengrauen unbemerkt wieder zurück zu sein. So viel sei verraten: das wird er nicht schaffen, denn vor ihm liegt eine abenteuerliche Reise. Er wird dabei vielen Menschen begegnen und nicht immer ist klar, wem man vertrauen kann. Manch einer der feindlich wirkt, erweist sich als Freund und nicht jeder der harmlos zu sein scheint, ist es auch wirklich. So muß Tiuri den Gefahren mutig und ritterlich trotzen, um so manches Abenteuer zu bestehen…

Leser ab etwa neun Jahren, die gerne spannende Abenteuergeschichten rund um Mittelalter, Ritter und Burgen lesen, werden an “Der Brief für den König” sicher ihre Freude haben. Da immer neue Aufgaben und Gefahren lauern kommt keine Langeweile auf, im Gegenteil denn schließlich möchte man doch wissen, ob Tiuri sein Ziel erreicht und was in diesem wichtigen Brief steht, für den er mehr als einmal sein Leben riskiert. Überraschende Wendungen sorgen dafür, dass man nicht vorhersehen kann, was als nächstes geschieht auch wenn man schon ahnt, dass weitere Schwierigkeiten die Reise behindern werden. Die Sprache ist gut verständlich, auch da wo sie (das mittelalterlichen Thema unterstreichend) ein bisschen altertümlich wirkt und dürfte daher auch jungen Lesern keine Schwierigkeiten bereiten.

Tonke Dragt: Der Brief für den König, Beltz & Gelberg, verschiedene Ausgaben

Ingrid Noll über Senioren voller Lebenslust

29. Dezember 2006, 11:45:21

Die Romane der erfolgreichen Krimi-Autorin wurden bislang in 21 Sprachen übersetzt. Dieses Jahr ist „Ladylike“ erschienen, ein Roman in dem die Hauptfiguren zwei lebenslustige Seniorinnen sind, die eine Frauen-WG gründen.
Ins Altersheim ziehen? Das kommt für Anneliese und Lore nicht infrage. Für die beiden Freundinnen steht schon lange fest, dass sie im Alter eine Wohngemeinschaft gründen wollen. Nachdem die seit über 20 Jahren geschiedene Lore nun ihr Schmuckgeschäft an ihren Mitarbeiter Rudi verkauft hat, zieht sie mit in das Häuschen ihrer verwitweten Freundin Anneliese. Diese ist mollig, von warmer Ausstrahlung und eine leidenschaftliche Gärtnerin, die sich gut mit den segensreichen wie den todbringenden Wirkungen mancher Heilkräuter auskennt. Lore dagegen wirkt kühler und ist ein schlanker und eleganterer Typ. Kleine Spannungen zwischen den ungleichen Freundinnen bleiben natürlich nicht aus, aber ansonsten fühlen sich die beiden Damen in ihrer „Witwen“-WG so wohl, wie es das älter werden erlaubt. Als jedoch Ewald, ein Jugendfreund der beiden Damen, vor der Tür steht bringt er die austarierte Balance aus dem Gleichgewicht. Der ebenfalls rüstige Senior, dessen Ehefrau in einer nahegelegenen Klinik behandelt wird, sorgt dafür, dass zwischen Anneliese und Lore ein kleiner Wettstreit und Eifersucht entstehen. Aber hat Ewald vielleicht eine Geliebte oder wohin verschwindet er abends immer wieder? Haben Annelieses Kräuter irgendwas mit dem plötzlichen Tod von Ewalds Frau zu tun? Aber auch sonst wird den beiden nicht langweilig. So fahren sie zum Beispiel zusammen mit Lores Nachfolger nach Baden-Baden, um auf nicht ganz astreine Weise teuren Schmuck an neureiche Russen zu verkaufen, machen eine kleine Deutschlandreise mit zwei Studenten um ein bisschen Abwechslung zu erleben…
Ingrid Noll baut in „Ladylike“ zunächst nur wenig Spannung auf. Der Reiz des Romans liegt mehr in der humorvollen Zeichnung der Charaktere, auch wenn im Verlauf des Romans die Handlung an Fahrt aufnimmt. Mitunter mischen sich nachdenkliche Töne mit ein, ohne sich jedoch allzu stark in den Vordergrund zu drängen - etwa wenn von der Einsamkeit und Schwierigkeiten des Alters die Rede ist. Anneliese und Lore sind voll Lebensfreude und doch davon überzeugt, dass es Ihnen gelingt unbemerkt zu stehlen und zu morden, weil man sie und ihre Bedürfnisse nicht mehr Ernst nimmt. Aber damit sind sie die resoluten Damen überhaupt nicht einverstanden – und zur Not ist noch gegen fast jedes Problem ein Kraut gewachsen !

Ingrid Noll: Ladylike, Diogenes, 2006

Joanne K. Rowling gibt den Titel des letzten Harry-Potter-Bandes preis

22. Dezember 2006, 13:15:17

Verschiedene Medien berichten, dass Joanne K. Rowling den Titel des letzten Harry-Potter-Buches verraten hat. Der Band wird den Titel „Harry Potter and the Deathly Hallows“ tragen und soll planmäßig im nächsten Jahr in den britischen Buchläden liegen. Die Bekanntgabe des Buchtitels dürfte die Fantasie aller Harry-Potter-Fans beflügeln und uns noch so manchen Artikel bescheren…

Galaxy Blues: Science Fiction der besonderen Art

22. Dezember 2006, 11:45:31

Der Fund dieses Science Fiction-Romans war ein glücklicher Zufall – ich war auf der Suche nach einem geeigneten Geschenk für einen Jugendlichen, der viel liest und also die gängigen Titel die ihn interessierten schon alle kannte. Der Klappentext klang nicht uninteressant: Aliens spielten eine Rolle darin und eine Reihe von Geheimnissen, die es für die Hauptfigur zu lösen galt. Spannung wurde versprochen. In der vagen Hoffnung, dass es etwas passendes sein könnte, kaufte ich das Science Fiction-Buch… Als ich es nach einiger Zeit wiedersah, staunte ich nicht schlecht. Deutliche Lesespuren zeigten, dass es in relativ kurzer Zeit etliche Male gelesen worden war und auf Nachfrage erhielt ich die begeisterte Auskunft, es sei eines seiner Lieblingsbücher. Nachdem ich es nun selber gelesen habe, kann ich das gut verstehen.
Vergessen wir alle Science Fiction-Klischees - rasante Weltraumflüge und gewaltige Laserpistolenschlachten kommen hier nicht vor ( auch wenn vereinzelt Laserpistolen zum Einsatz kommen) . Die Handlung spielt in einer unbestimmten Zukunft in Melbourne, Australien. Die Welt der Menschen hat sich durch technische Errungenschaften verändert, ist uns Lesern aber in Grundzügen noch vertraut. Hauptfigur ist Joss, 17 Jahre alt und Tochter einer bekannten Journalistin, ihr Vater ist ein unbekannte Samenspender. Das ist wohl der Grund, warum Joss ein Außenseiter ist, aufgewachsen in vielen verschiedenen Internaten, mit dem Gefühl ungeliebt zu sein und darüber hinaus häufiger Hänseleien als sogenanntes Comp-Kind ausgesetzt. Joss soll nun ihre Studien in Zeitreisen an einem renommierten Institut beginnen. Dazu gehört es, dass man gleich zu Beginn der Ausbildung einen Zeitsprung-Partner zugewiesen bekommt. Joss´  Zeitsprung-Partner ist Mavkel, ein Alien vom Planeten Choria. Vielen Menschen ist es nicht recht, dass nun erstmals ein Alien diese Technik erlernen soll und so gibt es von Anfang an  Proteste und hohe Sicherheitsvorkehrungen werden nötig.  Ist vielleicht auch die Killerin, die neuerdings in der Stadt ist, angeheuert worden um Mavkel zu töten? Oder eher den Direktor, mit welchem sich Joss überhaupt nicht versteht?…
Das Buch ist aus der Sicht und mit der Sprache der 17- Jährigen geschrieben, locker und flockig. Hautnah nehmen wir Leser an allem Geschehen teil – inklusive der Annäherung von Mensch und Chorian-Alien, die durch die verschiedenen Denk- und Lebensgewohnheiten auch etliche witzige Episoden beisteuert.  Phasenweise wird Galaxy Blues so spannend, dass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen mag. Dies trifft ganz besonders auf das temporeiche Ende zu.
Am Schluß sind die Geheimnisse gelüftet, die Fäden laufen zusammen und man ist versucht gleich wieder von vorne zu beginnen – nicht nur weil man das Buch nun unter anderen Vorzeichen lesen kann, sondern weil es einfach Spaß macht es zu lesen.
Ein neuer Roman von Alison Goodman ist für Juli 2007 angekündigt – leider erst mal nur auf Englisch. Hoffentlich lässt die Übersetzung nicht allzu lange auf sich warten.

Alison Goodman: Galaxy Blues, Aus dem australischen Englisch von Matthias Kußmann, Ravensburger 2003 

Daniel Kehlmanns satirischer Roman über den Kunstbetrieb

19. Dezember 2006, 18:09:44

Spätestens seit seinem 2005 erschienen Bestseller “Die Vermessung der Welt” ist Daniel Kehlmann vielen Lesern geläufig. Hier soll es um einen weniger bekannten Roman dieses Autors gehen, in welchem er einen satirischen Blick auf den Kunst- und Kulturbetrieb unserer Zeit wirft.
In dem 2003 erschienenen “Ich und Kaminsiki” plant ein eitler und bislang mäßig erfolgreicher Kunstjournalist (der Titel deutet diese Eitelkeit ja schon an), die Biographie des letzten Matisse-Schülers Manuel Kaminski zu schreiben. Er rechnet damit, dass der alte Maler bald versterben wird und er daraufhin mit seiner Monographie über den Künstler Anerkennung im Kunstbetrieb erhält. Also sucht er den alten blinden Maler in den Bergen auf, um ihn zu seiner Lebensgeschichte auszufragen. Dabei geht er ziemlich skrupellos vor, um an Kaminski heranzukommen, welcher von seiner Tochter abgeschirmt wird. Im Verlauf einer dann folgenden gemeinsamen Reise schleppt er Kaminski sogar gegen seinen Willen zu einer Vernissage in eine Kunstgalerie, weil er sich davon eine Förderung seiner Karriere erhofft. Doch der alte Maler ist nicht so hilflos wie es zunächst scheint - mehr soll hier nicht verraten werden…
Die Hauptfiguren in „Ich und Kaminski“ bieten sich nicht wirklich als Identifikationsfiguren an, zu fremd sind sie und werden mit einer gewissen Distanz dargestellt. Aber es ist sehr amüsant zu lesen, wie das Machtgefüge zwischen den beiden schillert und sich verschiebt, wie sich die Beziehung im Laufe der Reise verändert. Herzerfrischend auch, die satirische Zeichnung der „Hüter der modernen Kunst“: Galeristen, Maler, Chefredakteure und dergleichen mehr.

Daniel Kehlmann: Ich und Kaminski. Suhrkamp 2003

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Elke Heidenreich über Pinguine die Musik lieben

16. Dezember 2006, 23:42:03

In den letzten Jahren sind Pinguine ja zu Filmstars geworden. Die Reise der Pinguine war ein großer Erfolg und zur Zeit läuft Happy Feet im Kino und wird gut besucht. Meine Pinguin-Stars leben aber in einem Buch. Es heißt Am Südpol, denkt man, ist es heiß und stammt aus der Feder der vielseitigen Elke Heidenreich, die viele vielleicht als Brigitte-Kolumnistin oder als Moderatorin der Büchersendung “Lesen!” kennen. Rund um die Frage, warum Pinguine tagaus tagein im Frack herumlaufen hat sie eine amüsante, witzige Handlung gedichtet. Die Pinguine lieben nämlich Musik und wollen vorbereitet sein, wenn das Opernschiff mit den drei Tenören anlegt um eine Vorstellung zu geben. Wenn Pavarotti & Co Verdis La Traviata (Grandios: Pavarotti als Violetta!) spielen, kann man natürlich nur im vornehmen Frack hingehen, wo kämen wir sonst hin! Was dann alles geschieht bis die Vorstellung zu Ende ist, hat Elke Heidenreich so humorvoll dargestellt und sprachlich sorgfältig gestaltet, dass man aus dem schmunzeln nicht herauskommt. Illustriert hat das Buch Quint Bucholz, dem es gelungen ist einerseits wunderschöne, aber gleichzeitig den Witz des Textes aufgreifende Bilder zu schaffen.

Am Südpol, denkt man, ist es heiß wird gerne in die Schublade “Kinderbuch” gesteckt. Das wird meiner Meinung nach dem Buch aber nicht wirklich gerecht. Sicher es ist auch für Kinder ab 6 Jahren wunderbar geeignet, aber genauso gut für Menschen aller Altersstufen, die sich eine kurze Auszeit gönnen wollen, aus der sie erfrischt und vergnügt wieder auftauchen. OK – eine Ausnahme: Jugendliche werden sich vielleicht nicht unbedingt dafür begeistern.

 Elke Heidenreich: Am Südpol, denkt man, ist es heiß, Erstveröffentlichung 1998